Ob Schokoriegel, Pommes Frites mit Mayo, Pizza oder anderes fettiges Fast Food: Ob Schlank oder Mehrgewicht – jeder von uns kennt diese vermeintlich verbotenen Lebensmittel, von denen man besser die Finger lassen sollte.
Ist der schlechte Ruf dieser „bösen“ Lebensmittel gerechtfertigt und wie gehen wir damit um, wenn wir intuitiv darauf Hunger haben?
Dr. Antonie Post: Auch wenn das im ersten Moment vielleicht kontraproduktiv klingt: Akzeptieren, dass es so ist. Wenn man intuitiv auf solche Lebensmittel Lust hat, darf das sein. Intuitives Essen sagt: Kein Lebensmittel ist per se böse. Auch Schokolade, Pommes oder Fast Food haben Platz in einer gesunden und ausgewogenen Ernährung – sie können Genuss, Geselligkeit oder schnelle Energie bringen.
Entscheidend ist nicht das einzelne Lebensmittel, sondern das große Ganze: Wie ist meine gesamte Ernährung – statt den Fokus auf einzelne Lebensmittel zu lenken? Wie fühlt es sich körperlich an? Was tut mir langfristig gut? Was wünsche ich mir gerade – und warum?
Der schlechte Ruf solcher Lebensmittel kommt oft aus der Diätkultur, die Essen moralisch bewertet: als gut oder schlecht, erlaubt oder verboten. Das Problem daran ist nicht nur, dass es Angst und Schuldgefühle erzeugt – sondern auch, dass es den natürlichen Zugang zum eigenen Essverhalten stört.

Gerade das Erlauben – ohne Verbot und ohne Schuld – führt oft dazu, dass Essen weniger Macht bekommt und du freier entscheiden kannst: Will ich das wirklich gerade? Wie viel davon tut mir gut? Diese Klarheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen. Erst wenn ich mir die uneingeschränkte Erlaubnis gebe, jedes Lebensmittel in jeder Menge zu jeder Uhrzeit zu essen, komme ich überhaupt in eine Situation, in der ich entscheiden kann, was ich wirklich möchte und brauche.
Eine weitere wichtige Voraussetzung für diese Entscheidungsfreiheit ist, dass ich ausreichend mit Nahrung und Energie versorgt bin. Viele Menschen greifen zu sehr energiedichten, schnellen Lebensmitteln wie Schokolade oder Fast Food nicht, weil sie „zu schwach für gesunde Entscheidungen“ sind, sondern weil ihr Körper schlicht und ergreifend Nachschub braucht.
Wenn man über längere Zeit zu wenig oder zu unausgewogen isst – sei es durch Diäten, Stress, unregelmäßige Mahlzeiten oder das ständige Verschieben von Pausen, reagiert der Körper mit starkem Appetit auf energiereiche, leicht verfügbare Nahrung. Diese Reaktion ist kein Versagen, sondern ein Schutzmechanismus.
Intuitiv essen heißt deshalb auch: rechtzeitig und regelmäßig essen, den Körper ernst nehmen, bevor der Energiemangel so groß wird, dass Heißhunger übernimmt.
