Was passiert, wenn der Körper einer Frau zum Familienprojekt wird? „Lügen über meine Mutter“ erzählt von Schönheitsidealen, subtiler Gewalt und der Frage, wie sehr die Urteile anderer Menschen den Blick auf uns selbst prägen. Ein Film über Körperbilder, Selbstwahrnehmung und über all die Sätze, die wir als Kinder hören und die wir manchmal ein Leben lang mit uns tragen.
– Rosalie Thomass als Cornelia im Film „Lügen über meine Mutter“ | © TOBIS Film, Frank Dicks –
Es ist die Geschichte von Cornelia, einer Mutter und Ehefrau im Westdeutschland der 1980er-Jahre. Ihr Mann Werner macht ihr Gewicht für vieles verantwortlich, was in seinem Leben nicht so läuft, wie er es sich vorgestellt hat. Für seine berufliche Situation, seinen sozialen Status, sein vermeintliches Scheitern. Cornelias Körper wird zum Sündenbock für die Unzufriedenheit eines anderen.
Ihre Tochter Ela erlebt diese Dynamik hautnah. Sie hört die Kommentare des Vaters, beobachtet ihre Mutter und versucht, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der offenbar feststeht, wie eine Frau auszusehen hat. Der Film erzählt die Geschichte aus Elas Perspektive und macht damit sichtbar, wie früh Körperbilder und Bewertungen Kinder prägen können.

Ein Stoff von gestern? Leider nicht.
Obwohl die Geschichte in den 1980er-Jahren spielt, wirkt vieles erschreckend vertraut. Frauenkörper werden noch immer kommentiert, bewertet und durch vermeintliche Tipps optimiert. Heute geschieht das nicht nur im familiären Umfeld, sondern millionenfach auf Social Media.
Rosalie Thomass, die Cornelia spielt und zugleich das Drehbuch geschrieben hat, kennt diese Mechanismen aus eigener Erfahrung. In einem Interview mit der Apotheken Umschau berichtet sie davon, wie ihr Instagram-Feed zeitweise von Diät-Content dominiert wurde und wie schwierig es sein kann, sich solchen Botschaften an schlechten Tagen zu entziehen. Hier setzt der Film an. Cornelias Körper ist nicht das Problem. Vielmehr ist es die Bedeutung, die andere ihm geben.
Mehr als eine Geschichte über Körperbilder
Wer einen Body-Positivity-Film erwartet, wird enttäuscht. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Schönheitsideal durch ein anderes zu ersetzen. Es geht um die Frage, warum der Körper einer Frau überhaupt ständig bewertet werden muss. Es geht um Fettfeindlichkeit, Sexismus, psychische Gewalt, Selbstbestimmung und familiäre Prägung. Und wie subtil solche Mechanismen funktionieren können. Ein Kommentar hier, ein vermeintlich gut gemeinter Ratschlag dort und irgendwann wird aus der Fremdwahrnehmung die eigene.

Wenn eine Tochter ihre Mutter neu sieht
Besonders stark ist die Perspektive von Ela. Als Kind kann sie die Dynamik zwischen ihren Eltern nicht vollständig einordnen. Sie übernimmt zunächst Erklärungen, die ihr angeboten werden. Erst mit zunehmendem Alter verändert sich ihr Blick auf die Mutter und die Familiengeschichte.
Damit erzählt der Film nicht nur von einer Frau, die sich gegen Zuschreibungen behaupten muss. Er erzählt auch von einer Tochter, die lernen muss, zwischen der Wahrheit anderer und ihrer eigenen Wahrnehmung zu unterscheiden. Rosalie Thomass bringt dabei eine Figur auf die Leinwand, die nicht auf ein Opfer reduziert wird. Cornelia hat Wut, Wünsche, Widersprüche und einen eigenen Willen. Genau das macht sie interessant.
Warum wir den Film lieben und du Taschentücher einpacken solltest
„Lügen über meine Mutter“ konfrontiert uns unterhaltsam und doch schonungslos mit der Vergangenheit unserer Mütter und vielleicht sogar mit unserer eigenen. Manche Dialoge bewegten uns zutiefst. Ein Taschentuch sollte deshalb stets griffbereit sein. Der Film stellt Fragen, die auch nach dem Kinobesuch zum Nachdenken anregen. Welche Sätze über unseren Körper haben wir schon gehört, welche Erwartungen vielleicht sogar übernommen? Wer bestimmt, was als „normal“ gilt? Und was passiert, wenn wir anfangen, uns nicht mehr durch den Blick anderer zu definieren?
Für uns ein plusperfekter Filmtipp, weil er ein Stück weit auch die Gründungsgeschichte von PlusPerfekt erzählt und ein glühender Appell dafür ist, Menschen – egal ob dünn oder dick – endlich nicht mehr nur auf ihre Körper zu reduzieren.
Die literarische Vorlage von Daniela Dröscher stand 2022 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Unser Kinotipp
„Lügen über meine Mutter“
Deutschland 2026 | Drama
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Rosalie Thomass
Mit Rosalie Thomass, Golo Euler und Elise Lindner | ca. 106 Minuten | FSK 12.
Kinostart: 8. Oktober 2026
Du möchtest wissen, wo der Film läuft und wann? Eine Übersicht der teilnehmenden Kinos und aktuellen Spielzeiten findest du hier unter Kinos & aktuelle Spielzeiten.
Wir verlosen 2 x 2 Kinotickets
Lust, „Lügen über meine Mutter“ selbst auf der großen Leinwand zu sehen? Wir verlosen zweimal zwei Kinotickets für den Film. Der Wert des Gewinns variiert je nach Kino. Zum Teilnehmen einfach das nachstehende Formular ausfüllen. Einsendeschluss ist der 2. Oktober 2026. Du wirst von uns via E-Mail informiert. Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.
Viel Glück!
