Credits: Melinda Sterbenc

Roz The Diva im Interview: „Ich bin eine Anomalie in der Fitness-Welt.“

Als Vorbilder und Idole beeinflussen Athleten nicht nur Kultur und Gemeinschaft, sondern auch unsere eigenen Trainingsziele und Werte. Dass nicht alle Athleten dem stereotypischen Bild entsprechen, fällt in der Medienlandschaft dabei weniger auf. Roslyn „The Diva“ Mays ist Athletin, eigentlich Hochleistungssportlerin, und doch – wie sie selbst sagt – eine Anomalie in der Fitness-Welt.

Sie wiegt 115 Kilogramm und zeigt bei Shows ihr artistisches Können in teils 4 Metern Höhe an einer Pole-Stange, die gerade einmal 45 mm Durchmesser hat. Gegen Body-Shamer hat sie auf einer internationalen Skala zu kämpfen. Nach ihrem Auftritt bei „America’s Got Talent“ kritisierte sie Jury-Mitglied und US-Medienpersönlichkeit Howard Stern, für ihren Körper. Sie sei zu fett um Pole-Dancerin zu sein. Ihr Beitrag wurde schlussendlich nur in den Teaser der Show aufgenommen, nicht aber als Act in der Ausstrahlung.

Roz the Diva, wie sie sich selbst nennt, tanzt weiter.

Nach einer Kurz-Dokumentation – gefeatured von der New York Times – und diversen Auftritten als professionelles Stuntdouble in Serien wie Law&Order: Special Victim’s Unit, sind ihre Pole-Dance-Kurse bereits so begehrt, dass sie eine Studio-Tour durch England plant. Ihren Körper zu lieben, wie er ist … daran arbeitet sie bis heute jeden Tag.

Mit PlusPerfekt sprach Roz The Diva über Selbstliebe, sportliches Selbstvertrauen und warum sich Beyoncè in Acht nehmen sollte.

Mit Pole Dance verbinde ich spontan Nachtclubs, knapp bekleidete Menschen und perfekte Körper. Was hat dich an diesem Sport gereizt?

Roz The Diva: Ich habe 2017, also vor zwei Jahren, das erste mal eine Pole Dance Stunde besucht. Ich liebe es zu tanzen und als es in meinem örtlichen Fitnessstudio angeboten wurde, probierte ich es einfach aus. Es war mit Abstand der härteste Sport, den ich je in meinem Leben gemacht habe. Ich war eine unkoordinierte, schwitzende Katastrophe am Pole … Aber es macht süchtig.

Es gibt Sportarten, die unseren Körper und gleichermaßen unseren Geist beeinflussen. Wie hat Pole Dance dich beeinflusst?

Roz The Diva: Ich habe Sport immer gemocht. Aber fast alle Sportarten, die man als junger Mensch eben ausprobiert, basieren auf Schnelligkeit oder Agilität. Nur war ich weder schnell, noch besonders agil. Der Grund dafür war vermutlich mein Gewicht. Ich war überzeugt, ich könne meinen Teams nicht besonders viel bieten.

Ich bin für immer dankbar, Pole Dance als Einführung zum Krafttraining entdeckt zu haben. Ich kann nicht besonders schnell rennen, aber ich kann aus eigener Kraft meinen Hintern über meinen Kopf stemmen. Und ich liebe es! Ich kann auch andere Tänzer in die Luft heben. Kraftaufbau hat mein sportliches Selbstvertrauen enorm gesteigert.

 

 

Viele haben Selbstzweifel, nicht gut genug zu sein … Pole Dancing erfordert viel Selbstvertrauen und Konzentration, um Verletzungen zu vermeiden. Wie kommst du an schlechten Tagen in ein selbstbewusstes Mindset?

Roz The Diva: Konzentration ist ein MUSS, um die eigene Sicherheit während dem Pole Dancing zu gewährleisten. Aber Selbstsicherheit und Selbstvertrauen sind nicht zwingend notwendig. Eine unglückliche Parallele zu anderen Teilen der Tanzwelt ist die weit verbreitete Körperdysmorphie, sprich verfälschte Körperwahrnehmung, in unseren Studios. Übrigens auch allgemein ein großes Problem in der weiteren Tanzwelt.

Die Leute sehen mich oft als ein Leuchtfeuer an Selbstliebe, was aber kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. Ich freue mich über das, was mein Körper leisten kann, aber nicht unbedingt darüber, wie er aussieht. Einer der Gründe, warum ich halbnackt im Studio rum laufe ist, um mein eigenes Spiegelbild als normal und als etwas anderes als „nicht begehrenswert“ zu betrachten. Wenn es irgendjemandem gelingt, dieses schwer fassbare Selbstliebe-Mindest zu finden, dann verrate bitte uns anderen dein Geheimnis!

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Was ist das Ziel der Frauen in deinen Workshops und Kursen? Liegt der Fokus darauf, den Sport zu erlernen, oder sind sie auf der Suche nach mehr? 

Roz The Diva: Meine Teilnehmerinnen kommen zu mir, weil meine Kurse eine verdammte Party sind. Mit der richtigen Playlist (90er, R&B und Hip Hop) kann ich meine Teilnehmerinnen von allem überzeugen [schelmisches Grinsen].

Ein weiterer Grund meine Kurse zu besuchen ist, weil ich mich gewissermaßen wie sie bewege. Ein 115-kg-Sportler zu sein, ermöglicht mir eine gewisse Perspektive, die kein Buch lehren könnte. Es fällt mir leicht, Übungen auf größere Körper anzupassen und zu modifizieren. Das gilt ebenso für eine nicht bedrohliche Kommunikation mit den Teilnehmern. Mein Ziel ist es jeden Teilnehmer so zu trainieren, dass er die Squats fast perfekt ausführen kann und Spaß am Training hat.

Wenn du auf all deine Interviews zurück blickst, gibt es eine Frage, die noch nie gestellt wurde, die aber deiner Meinung nach einmal gestellt werden sollte?

Roz The Diva: Ich würde diese Möglichkeit nur gern nutzen und eine freundliche Erinnerung an Beyoncè aussprechen, dass ich trainiert und bereit bin.

Ich habe einen Reisepass, keine Kinder und eine Menge glitzernder Outfits. Holla’ at yo’ Girl!

 

Credits: Ray Tamarra
Roslyn „The Diva“ Mays in Trainingskluft.

Zur Person

Roslyn Mays ist NASM-zertifizierte Fitnesstrainerin und gibt Pole-Dance-Kurse im Body&Pole-, IncrediPOLE- und dem Form Fitness & Complete Body-Studio in New York. Ihre Arbeit als Pole-Dancerin wurde bereits von der New York Times in der Kurz-Dokumentation „Dangerous Curves: A Celebration of Plus Size Pole Dancers“ gewürdigt. Ihre Stärken in den Bereichen Kraft-, Pole- und Flexibilitätstraining haben außerdem zu einer SAG-Mitgliedschaft geführt. Das ermöglicht ihr unter anderem in Serien wie Law&Order: SVU, The Big C oder Chaos-Dad als Stuntdouble aufzutreten.