Alkoholfrei - Wie wäre es mit einem Gin-Cocktail? Credit: Taylor Simpson | Unsplash

Alkoholfrei – auch das bekommt sie Gin!

Eintausendachthundertzweiundünfzig – für die Destillateurin Julica Renn ist das ihre absolute Glückszahl. Exakt so viele Flaschen ihres alkoholfreien Gins „Mile High 69“ werden pro Batch handgefertigt. Der Grund für diese Begrenzung ist ein sehr aufwändiges Mazerations- und Destillationsverfahren mit insgesamt 19 natürlichen Botanicals. Alkoholfreier Gin – eine Geschäftsidee, die längst kein Nischenprodukt mehr ist. 

Eine Sache des guten Geschmacks

Was einst mit alkoholfreiem Bier begann, ist heute längst ein Trend geworden: Getränke ohne Alkohol werden immer beliebter. Und die Hersteller dieser Getränke werden immer kreativer. In den Karten der hippen Bars in der Innenstadt finden sich neben frischgepressten Saftkreationen mittlerweile auch eine erlesene Auswahl alkoholfreier „Spirituosen“.

Bequeme Strumpfhosen in Großen Größen

Wenn du erwartest, dass die Alternative eins zu eins wie das Original schmeckt, solltest du lieber die Finger von alkoholfreien Gins lassen. Du bekommst vielfältige Aromen, die nicht vom typischen Alkoholgeschmack überschattet werden. Nur wenige Hersteller empfehlen ihr Produkt für den puren Genuss. Doch als Grundlage für Cocktails oder klassisch mit Zitrone können sich die edlen Wässerchen durchaus sehen lassen. Auch die beliebteste Kombination des letzten Jahrzehnts – Gin & Tonic – lässt sich mit einem erstaunlichen Geschmacksergebnis imitieren. Erfahrene Gin-Trinker vermissen allerdings die ölige Viskosität und die Schärfe des Originals.

Mazeration, Destillation & Infusion

Alkoholfreier Gin existiert genau genommen gar nicht, denn: Ein Gin muss einen Alkoholgehalt von mindestens 37,5 Prozent aufweisen, um sich als solcher bezeichnen zu dürfen. Doch die Idee, einen geselligen Barabend mit Freund|innen ohne Reue am nächsten Morgen verbringen zu können, ist so genial, dass sich die Bezeichnung gegen die Kritiker durchgesetzt hat.

In der Herstellung ähnelt das Verfahren dem des Originals. Bei Gin startet man mit einer alkoholhaltigen Basis wie zum Beispiel Wodka, die in der alkoholfreien Variante ganz einfach durch Wasser ersetzt wird. Durch das Zugeben von Botanicals, also Aromen, bekommt das Getränk seinen besonderen Geschmack. Klassische Gin-Botanicals sind Wacholderbeeren, Zitronenschalen, Ingwer, Kardamom, Eichenrinde oder Lindenblüten.

Die Botanicals werden für mehrere Tage oder gar Wochen in die Grundflüssigkeit eingelegt – das ist die sogenannte Mazeration. Einige Hersteller verzichten auf diesen Arbeitsschritt und fügen die Botanicals erst während des Destillationsvorgangs hinzu. Dabei umspielen die entstehenden Dämpfe die Botanicals und nehmen so ihren Geschmack an.

Zuckerfrei & bombastisch

Wer schon beim Gedanken an alkoholfreie Getränkealternativen einen Zuckerschock erleidet, muss keine Bedenken haben. Fast alle Hersteller verzichten auf die Zugabe von Zucker oder anderen Süßungsmitteln. Die botanischen Destillate sind zudem kalorienarm und auch für Veganer geeignet.

Keine Konservierungsmittel

Je höher der Alkoholgehalt, desto länger die Haltbarkeit eines Getränks. Klassischer Gin verliert mit der Zeit und bei nicht optimaler Lagerung möglicherweise etwas von seinem Aroma, er verdirbt jedoch nicht.

Bei den Alternativen fehlt dieses Mittel zur Konservierung, daher befinden sich auf den Flaschen Angaben zur Haltbarkeit. Ungeöffnet sind die Getränke in der Regel ein Jahr haltbar, geöffnete Flaschen halten sich im Kühlschrank je nach Hersteller vier Wochen bis sechs Monate. Wie bei allen Lebensmitteln gilt: Deine Nase und Zunge haben die besten Sensoren zum Erkennen der tatsächlichen Haltbarkeit.

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Alkoholfrei ist nicht frei von Alkohol

Wie beim Bier gilt auch für Spirituosen: Alles mit weniger als 0,5 Prozent Alkoholgehalt darf sich alkoholfrei nennen. Grund für diesen Spielraum ist, dass sich einige der ätherischen Öle und andere Geschmacksstoffe nur mithilfe von Alkohol aus den Botanicals lösen. Anschließend wird der Alkohol wieder heraus destilliert oder die aromatisierte Flüssigkeit so lange mit Wasser gestreckt, bis sie unter die besagte Alkoholschwelle fällt.

Besonders verbraucherfreundlich ist das nicht gerade, aber was bedeutet es in der Praxis? Da man Gin in der Regel nicht flaschenweise konsumiert, sollte der Alkoholgehalt keine Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben. Neben den Autofahrer|innen sind schwangere oder stillende Frauen eine klassische Zielgruppe für alkoholfreie Getränke. Das Bundeszentrum für Ernährung sieht weder für die (werdende) Mutter noch das Kind ein Risiko bei einem maßvollen Genuss. Bei einer selten vorkommenden Allergie gegen Alkohol sollte man aber vorsichtshalber die Finger von der Flasche lassen.

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