Digitaler Produktpass: Wenn Mode plötzlich mehr kann als gut aussehen

Transparenz ist längst mehr als ein Buzzword. Für viele wird sie mehr und mehr zum entscheidenden Faktor für ihre Kaufentscheidungen. Das Modeunternehmen bonprix geht ab sofort einen neuen Schritt und integriert den Digitalen Produktpass (DPP) in sein Denim-Sortiment. Noch bevor die europäische Ökodesign-Verordnung (ESPR) verpflichtend wird, setzt das Unternehmen ein klares Signal zur Zukunft der Mode.

– Bis Ende des Jahres soll der DPP bei 100 Denim-Pieces erhältlich sein | Credit: bonprix – 

QR-Code als Einstieg: Mode mit Kontext

Was zunächst etwas technisch klingt, bietet Kundinnen und Kunden einiges an Produktinformationen, wie die Materialzusammensetzung, die Lieferkette oder den Lebenszyklus. Zugriff erhält man über einen QR-Code am Hangtag oder im Weblabel.

bonprix erweitert das 2024 eingeführte Konzept zudem um neue Inhalte, die im Alltag relevant sein können. Neben Styling-Ideen, Outfit-Inspirationen und Pflegehinweisen gibt es sogar Video-Tutorials, etwa zum Kürzen einer Jeans. Der Produktpass als digitaler Begleiter über den Kauf hinaus.

 

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Warum Denim den Anfang macht

Erhältlich ist der DPP zunächst bei rund 40 Denim-Modellen. Im Laufe des Jahres soll die Integration auf etwa 100 Produkte ausgeweitet werden. Die Entscheidung für Denim fiel bewusst. Das Material gehört zu den wichtigsten Warengruppen im Sortiment und steht für langlebige, vielseitige Mode. Fragen zur Herkunft des Materials, der Verarbeitung und wie sich das Kleidungsstück möglichst lange nutzen lässt, werden durch den Digitalen Produktpass konkret beantwortet.

Zwischen Nachhaltigkeit und Service

Entwickelt wurde der DPP gemeinsam mit dem Technologiepartner Narravero. Er soll als Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeit, Service und Markenkommunikation fungieren und zugleich einen neuen Touchpoint schaffen. Über Inhalte, Inspiration und praktische Hilfestellungen bleibt die Verbindung zur Marke auch nach dem Kauf bestehen und reicht damit deutlich über klassische Produktkommunikation hinaus.

Ein Modell mit Zukunft?

Mit der Implementierung positioniert sich bonprix noch vor der gesetzlichen Verpflichtung durch die ESPR. Das Pilotprojekt zeigt, wie sich komplexe Themen wie Kreislaufwirtschaft und Produktverantwortung verständlich und alltagsnah übersetzen lassen. Die Erkenntnisse sollen als Basis für eine Ausweitung auf andere Produktkategorien dienen. Der DPP könnte so über den Status einer Informationsquelle hinaus zu einem neuen Standard bewussteren Modekonsums werden.

Gamechanger oder gut gemeint?

Spannend wird sein, wie der DPP den Alltagstest besteht. Denn wie oft schneidet man Hangtags ab und bewahrt sie an einem sicheren Ort auf, um sie dann doch nicht mehr zu finden. Auch auf dem Weblabel kann der QR-Code problematisch sein, wenn er nach mehrmaligem Waschen verblasst und dadurch nicht mehr eingescannt werden kann. Ein digitaler Produktpass ist nur so wertvoll, wie er auch vom Verbraucher genutzt wird, selbst wenn die Idee dahinter sehr innovativ ist.

 

Über den QR-Code am Hangtag können die Infos abgerufen werden | Credit: bonprix
Über den QR-Code am Hangtag können die Infos abgerufen werden | Credit: bonprix