Die Nonchalance des Los Angeles der 1970er-Jahre ist zurück. Gestuz inszenierte sie auf dem Runway der Copenhagen Fashion Week Spring/Summer 2027. „Double Exposure“ heißt die Kollektion, die weiche Silhouetten, markante Schulterpartien und fließende Stoffe vereint. Das Peplum feiert ein überraschendes Comeback, Khaki- und Olivtöne prägen die Farbwelt der Saison.
Absolut bemerkenswert und zu Recht auf Social Media gefeiert, ist das Casting. Gestuz schickte auch Curvy Models über den Laufsteg – ein Anblick, der auf internationalen Fashion Weeks in Zeiten von GLP-1-Medikamenten und der Rückkehr des Size-Zero-Ideals selten geworden ist.
– Header: Ein Looks aus der Gestuz Fashion Show | Copenhagen Fashion Week SS27 | Foto: James Cochrane –
Scandi-Coolness trifft auf 70s-Glam
Wenn die Modewelt Anfang August nach Kopenhagen blickt, wird dort längst mehr verhandelt als die Frage, welche Farben oder Silhouetten die kommende Saison prägen. Die Copenhagen Fashion Week gilt als Experimentierfeld für die Zukunft nordischer Mode und zunehmend auch für gesellschaftliche Themen wie Nachhaltigkeit und Diversität.
Am 4. August präsentierte das dänische Label Gestuz seine neue Kollektion in der Fabrikken for Kunst og Design. Mit „Double Exposure“ lieferte Kreativdirektorin Sanne Sehested eine Hommage an moderne Weiblichkeit, inspiriert von den Ritualen selbstbewusster Frauen und der Coolness des Los Angeles der 1970er-Jahre. Eine Kollektion, die maskuline Elemente mit femininer Leichtigkeit verbindet, ohne in nostalgische Klischees abzurutschen.

Die Key-Looks: Zwischen Power-Dressing und Weiblichkeit
Klassische, scharf geschnittene Anzüge mit markanten Schulterpartien werden mit fließenden Stoffen und ultralangen Schals kombiniert. Besonders auffällig – übrigens nicht nur bei Gestuz – ist das Comeback des Peplums. Überraschend modern wird es in die neuen Silhouetten integriert. Die für die 1970er-Jahre typische Kombination aus Hemd und Krawatte interpretiert Sehested entspannt und deutlich femininer.
Fast beiläufige Eyecatcher sind die übergroßen Sonnenbrillen. Sie sind das dominierende Accessoire und verleihen den Looks Celebrity-Coolness, die an die Westküste der Siebziger erinnert.
Die Farbstars: Khaki, Oliv und mutige Animal Prints
Insgesamt wirkt die Kollektion zeitlos und modern zugleich. Tiefes Schwarz, klares Weiß, Grau, Marineblau, Cognac und Burgunder bilden das Fundament.
Besonders auffällig sind jedoch Khaki- und Olivtöne. Sie gehören zu den prägenden Farbthemen der Kollektion und zeichnen sich zudem als wichtige Tendenz der Copenhagen Fashion Week Spring/Summer 2027 ab.
Für Glamour sorgen Zebra-Prints, Leder und Denim mit getragener Optik. Die Kombination aus Utility-Farben und luxuriösen Materialien sorgt für den für Gestuz charakteristischen Spannungsbogen.
Ein starkes Zeichen & ein Spiegel der Branche
Besonders positiv hob sich die Show durch ihr Casting ab. Gestuz schickte Models mit unterschiedlichen Körperformen auf den Runway. Darunter auch zwei Curvy Models. Auf Instagram und TikTok sorgte genau das für Begeisterung und zeigte deutlich, wie groß die Sehnsucht nach mehr Größenvielfalt auf den Laufstegen inzwischen geworden ist.

Dass Curvy Models auf einer internationalen Fashion Week derart gefeiert werden, sagt weniger über das Label aus als über den Zustand der Modebranche. Größenvielfalt ist wieder zur Ausnahme geworden. Während sie noch vor wenigen Saisons auf den Laufstegen zunahm, prägen heute deutlich homogenere Castings das Bild. Die Rückkehr extrem schlanker Silhouetten und der gesellschaftliche Hype um GLP-1-Medikamente haben das Schönheitsideal spürbar verschoben.
Gestuz setzt mit seinem Casting ein wichtiges Zeichen, wenn auch die Frage bleibt, für wen ist diese Kollektion eigentlich gedacht ist. Denn so erfreulich die Repräsentation auf dem Laufsteg auch ist, das Größenspektrum der Marke endet weiterhin bei Konfektionsgröße 44 beziehungsweise XL. Für viele Frauen, die sich in den gezeigten Looks wiederfinden, bleibt die Kollektion damit unerreichbar.
Gerade darin liegt die Ambivalenz dieser Fashion Show. Macht sie doch sichtbar, dass sich viele Menschen von der Mode mehr unterschiedliche Körper, mehr Realität und mehr Identifikationspotenzial wünschen. Der aus unserer Sicht nächste logische Schritt wäre, endlich wieder diese Vielfalt auf den Laufstegen zu zeigen und sie auch im Größenangebot konsequent weiterzudenken.

