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Curvy Model Hayley Hasselhoff auf dem Cover der Mai-Ausgabe des Playboys | Fotocredit: Ellen von Unwerth

Playboy mit Selbstliebe-Message? Chefredakteur Florian Boitin im Interview

Kurven stehen beim Playboy schon immer im Fokus, doch in der Mai-Ausgabe sind es ganz besondere Curves und eine Selbstliebe-Message gibt es noch dazu. Schauspielerin und Model Hayley Hasselhoff ist Coverstar des Playboys und damit das erste Curvy-Model auf der Titelseite des Magazins. Fotografiert wurde sie von der deutschen Star-Fotografin Ellen von Unwerth. 

Es war nicht nur für die Curvy Community eine Sensation als Mitte April der neue Playboy lanciert wurde. Auch wir staunten nicht schlecht, ziert doch der Coverstar unserer PlusPerfekt Edition Business auch die Titelseite des Playboys. Doch während so manche Protagonistin vor ihr „einfach nur gute Fotos von sich haben oder ihren Enkeln irgendwann einmal zeigen will, wie gut sie ausgesehen hat“, setzt Body Positivity Aktivistin Hayley Hasselhoff mit ihren erotischen Fotografien ein Statement gegen körperliche Diskriminierung. Im Interview mit Playboy sagt sie:

„Ich möchte zeigen, dass wir Frauen die Power haben, unsere Körper zu lieben, ohne dabei auf Schönheitsideale Rücksicht zu nehmen. Das Cover ist für all die Frauen da draußen, die kurviger sind und ihre Körper oder ihre Lust infrage gestellt haben. Du bist es wert, du bist gefragt, du wirst geliebt! Ich bin stolz darauf, dass die Curvy-Bewegung es so weit gebracht hat.“

PlusPerfekt sprach mit Chefredakteur Florian Boitin über die Beweggründe der Redaktion, das Feedback der Leser und über das Honorar.

Warum gerade jetzt ein Curvy Model auf dem Cover des Playboys? War das eine spontane Entscheidung?

Florian Boitin: Playboy steht von jeher für eine große Vielfalt bei der Themensetzung. Und das betrifft natürlich auch das Cover des Magazins. Bei der Wahl der Titelheldinnen geht es uns aber nicht um die Vermessung des weiblichen Körpers, sondern um die Relevanz der Person. Sprich, wir stellen uns in der Redaktion nur eine einzige Frage: Interessiert sich unsere Zielgruppe für die Person auf dem Titel? Und Hayley Hasselhoff erfüllt diese Kriterien. Aber eben nicht nur wegen ihrer etwas rundlicheren Figur.

Warum Hayley Hasselhoff?

Florian Boitin: Hayley Hasselhoff ist nicht nur die Tochter eines in Deutschland von vielen verehrten Superstars. Sie ist selbst eine erfolgreiche Schauspielerin. Darüber hinaus ist Hayley als sogenanntes Plus-Size-Model international seit Jahren sehr gefragt. Was vielleicht aber das Wichtigste ist: Hayley sah in dem Playboy-Shooting nicht nur die Möglichkeit, schöne Fotos für ihr privates Poesiealbum zu schießen. Hayley Hasselhoff verbindet mit den Fotos eine wichtige Botschaft:

‚Seht her, ich entspreche womöglich nicht dem Klischee eines typischen Playboy-Models. Ich bin anders – aber deswegen nicht weniger attraktiv.‘

Dieser Mut, verbunden mit dem Appell zur Selbstliebe, hat uns gleich sehr beeindruckt.

Gibt es schon Leser-Feedback?

Florian Boitin: Die Resonanz ist enorm, auch international schlägt die deutsche Playboy-Ausgabe große Wellen. Natürlich gibt es auch ablehnende Stimmen, diese bilden allerdings bei weitem nicht die Mehrheitsmeinung ab. Im Gegenteil: Uns erreichen Leserbriefe, die nur mit einem Wort zu beschreiben sind: euphorisch! Wir merken auch an den Reaktionen, dass wir mit der aktuellen Ausgabe ganz neue Zielgruppen erschließen. Menschen nehmen den Playboy war, die bisher möglicherweise gar keine Berührungspunkte mit dem Magazin hatten. Und auch die sehr guten Abverkaufszahlen spiegeln die große Zustimmung wider.l

Wird es weitere Curvy Models auf dem Titel geben?

Florian Boitin: Aber sicher. Genauso wie es farbige Frauen auf dem Playboy-Titel gibt. Oder brünette, blonde, rothaarige. Wie gesagt: Uns interessieren nicht in erster Linie äußerliche Attribute, sondern die Persönlichkeit unserer Titelheldinnen.

Playboy ist für seine erotischen, aber immer auch ästhetischen Fotos bekannt. Mode ändert sich, Schönheitsideale ändern sich. Ist es schwer diesen Standard über den Wandel der Zeit zu erhalten?

Florian Boitin: Im Gegenteil. Gerade gesellschaftliche Veränderungen machen unseren Beruf als Journalisten so spannend. Diese Entwicklungen sind auch dafür verantwortlich, dass sich Playboy immer wieder neu erfinden kann – und dabei seine zeitgemäße Relevanz behält.

Wie ist die Vorgehensweise? Entscheidet sich ihr Team für ein Model / eine Schauspielerin und sucht den passenden Fotografen/Fotografin aus oder schlägt der Fotograf/in sein Model vor?

Florian Boitin: Das hängt ganz von der Person und dem Thema ab. In der Regel ist es schon so, dass wir uns für ein bestimmtes Titelthema, beziehungsweise für eine bestimmte Person entscheiden. Ich nenne Ihnen gerne ein Beispiel: Laura Müller war durch ihre Beziehung zum Sänger Michael Wendler und aufgrund ihres raketenartigen medialen Aufstiegs Anfang 2020 in aller Munde. Und damit auch für uns interessant. So haben wir persönlich Kontakt zu ihr aufgenommen – einerseits um das grundsätzliche Interesse für ein Shooting zu erfragen, aber auch um gleich schon mal die Modalitäten für eine Zusammenarbeit auszuloten. Gemeinsam mit meinem – übrigens zu 100 Prozent weiblich besetzten – Foto-Team planen wir dann zusammen mit dem jeweiligen Titel-Star die Produktion. In diesem kreativen Prozess ist es meist an uns, den passenden Fotografen oder die geeignete Fotografin vorzuschlagen. Entschieden über den Stil der Bilder, die Location, den Look wird aber immer zusammen. Ein Playboy-Shooting ist deshalb immer Team-Work.

Einerseits ist es für viele ein Tabu, sich nackt in einem Magazin zu präsentieren. Andererseits veröffentlichen viele Influencerinnen von sich Nacktbilder oder Shoots, auf denen sie knapp bekleidet sind. Diese Fotos werden mit einer Message versehen und auf Instagram hochgeladen. Wie stehen Sie zu dieser Diskrepanz einerseits Nacktfotos für ein Magazin zu verpönen, stellt man die Fotos jedoch auf Social Media dient es „vermeintlich“ einer größeren Sache.

Florian Boitin: Naja, es gibt natürlich schon einen fundamentalen Unterschied. Playboy ist eine solch große, legendäre Marke, dass man durchaus von einer Institution sprechen kann. So wissen Frauen, wie etwa eine Sophia Thomalla, eine Laura Müller oder eben Hayley Hasselhoff – die allesamt schon die Titelseite des Playboy zierten – dass die Aufmerksamkeit um einiges höher ist, wenn man seine Botschaft über den Playboy sendet. Playboy wird hier nicht nur als reichenweitestarke Plattform verstanden, sondern als ein veredelnder Absender. Aber natürlich zwingen wir auch niemanden zu seinem Glück (lacht).

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Stimmt es, dass Playboy den Covergirls enorme Honorare bietet oder ist das ein Mythos?

Florian Boitin: Wie vieles im Leben ist auch dies eine Frage der Relationen. Was versteht man schon unter enorm? Befriedigend beantworten kann man die Frage vermutlich nur so: Bisher mussten alle unsere Titelstars auch nach dem Playboy-Shooting noch Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen. Bis zur Rente reicht ein Playboy-Honorar nicht.

Kann man sagen, dass mit der Höhe des Honorars die Bereitschaft steigt, sich ablichten zu lassen oder ist auch das ein Mythos?

Florian Boitin: Das kann man eindeutig mit ‚Nein‘ beantworten. Wir kaufen uns keine Coverstars! Natürlich werden unsere Titelheldinnen für ihre Mitarbeit angemessen entlohnt. Aber wie schon in der Frage zuvor beantwortet: Geld ist nicht die Motivation, sich für den Playboy frei zu machen. Unsere Titelstars wissen, dass der Playboy nicht nur als beste Adresse für hochwertige Aktfotografie gilt – und damit ein echtes Gütesiegel ist. Sondern: Playboy bietet eine Plattform, sich einer breiten Öffentlichkeit mit einer Botschaft zu präsentieren, die ein Zeichen für Mut, Aufklärung und Selbstbestimmtheit setzt.

Foto-Credit: Ellen von Unwerth für PLAYBOY Deutschland Mai 2021
Weitere Motive exklusiv nur unter: https://www.playboy.de/coverstars/hayley-hasselhoff

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