Model Lejla, fotografiert von Christoph Marti

Zu breit für den Runway, zu schmal für Plus Size

90 – 60 – 90 sind Traummaße, die man mit einem Model verbindet. Und tatsächlich ist es so, dass ein Runway Model maximal einen Hüftumfang von 90 cm haben darf. Lejla ist seit ihrem 14. Lebensjahr Model. Doch ihr Körper und ihre Einstellung haben sich mit den Jahren verändert. Ihr wurde der Druck zu groß, ihre Maße zu halten. Dass irgendwelche Zahlen ihren Wert bestimmen, darauf hatte sie keine Lust mehr.

Lejla, gab es Momente in denen du dachtest: Ja, das ist der Job, den ich immer machen wollte? Oder Phasen, die dir unangenehm waren, die dich zum Zweifeln brachten?

Lejla Hodzic: Natürlich gab es die. Wie bei jedem Job gibt es Vor- und eben auch Nachteile. Man muss lediglich für sich entscheiden, ob man die Nachteile in Kauf nehmen kann. Ich fing schon mit 14 Jahren an zu modeln und bin mit 15 ins Ausland um dort modeln zu können. Ich wusste eigentlich gar nicht, auf was ich mich eingelassen habe. Es war ein riesiges Abenteuer für mich, nach dem ich mich schon immer gesehnt habe.

90, 60, 90. Unsere Körper verändern sich mit dem Alter. Wer mit 15 Idealmaße hatte, muss mit 25 vielleicht hart dafür arbeiten. Wie viel Anstrengung und Disziplin musst du in den perfekten Modelkörper investieren?

Lejla Hodzic: Ich war schon immer schlank und relativ groß, wurde jedoch des Öfteren beim Sport ermahnt, etwas zurückzuschrauben, da ich sonst zu muskulös und dementsprechend zu breit wäre. Ich habe „leichten“ Sport betrieben und meine Ernährung sehr strikt clean gehalten. Nichts desto trotz verändert sich der Körper und der Stoffwechsel mit den Jahren und auf Dauer ist auch so ein Lifestyle nicht gesund. Um die Frage zu beantworten, es fiel mir auf Dauer immer schwerer meine 90er Hüfte halten zu können.

Warum hast du dich dazu entschieden vom Straight Model in die Inbetween-Division zu wechseln?

Lejla Hodzic: So wie sich mein Körper mit den Jahren verändert hat, so hat sich auch meine Einstellung und Denkweise verändert. Ich bin in der Zwischenzeit zu einer erwachsenen Frau herangereift und wusste, das für mich mittlerweile die Nachteile des Berufs komplett in den Vordergrund gerückt sind. Ich habe mich nicht wohl gefühlt vor einer Kamera zu stehen und mich als das selbstbewusste Model zu präsentieren, das ich in Wahrheit gar nicht war. Jeder Job war ein Kampf, da ich wusste, dass ich den Idealmassen eines Models nicht entspreche. Es war ein ständiger Kampf mit mir selbst, dabei ging es nicht um mein wahres Ich, sondern um irgendwelche Zahlen die meinen Wert bestimmen sollten.

Was genau ist der Unterschied zwischen Inbetween-, Straight- und Curvy-Model?

Lejla Hodzic: Als Inbetween Model ist man nicht breit genug, um als Plus-Size Model zu arbeiten und nicht schmal genug um auf dem Laufsteg mitlaufen zu können. Ich zum Beispiel habe eine 98 cm Hüfte und ein Runway Model maximal eine 90 cm Hüfte.

Was ist für dich das anstrengendste an der Arbeit als Model?

Lejla Hodzic: Ich glaube man muss mit sich selbst immer wieder einen „Reality Check“ machen und darf sich aus Kritik und Komplimenten nicht viel machen. Man ist Mensch und das darf man auch als Model sein.

Wie verhielt sich deine Agentur in dieser für dich sicherlich schwierigen Zeit?

Lejla Hodzic: Eigentlich sehr gut. Ich hatte schon immer einen sehr engen Draht zu meiner Agentin und so wusste auch sie, dass es zunehmend schwieriger wurde für mich meine Maße zu halten.

Wie ist es für dich, dass du in diesem Job „nur“ nach deinem Aussehen bewertet wirst?

Lejla Hodzic: Sehr lange war das ein großes Problem für mich. Ich habe mich dann entschieden mein Interesse für den Sport zu vertiefen und mein Allgemeinwissen weiter zu bilden, was mir sehr dabei geholfen hat das Modeln auch als das zu sehen, was es ist, nämlich ein Beruf. Ich empfehle jedem noch so erfolgreichem Model etwas für sich nebenbei zu finden, das einem kontinuierliche Erfolgserlebnisse bringt. Beim Modeln ist es meist ein Glücksspiel, bei welchem es entweder klappt oder auch nicht und genauso kann das Glück von heute auf morgen nachlassen, was nichts für labile Menschen ist.

Gibt es Momente, in denen du dir einen „normalen“ Job wünschst?

Lejla Hodzic: Nein. Ein „normaler“ Job war in dem Sinne nie entsprechend für mich. Wenn ich kein Model geworden wäre, dann vielleicht Tänzerin oder Schauspielerin, da bin ich mir sicher.

Findest du Kategorisierungen wie Straight, Inbetween oder Plus Size Model noch zeitgemäß?

Lejla Hodzic: Meiner Meinung nach sollten es einfach Models sein. Wir leben in einer Zeit, in der Frauen jeder Größe, Maße und Hautfarbe das Recht auf schöne Kleidung haben. Worum es ja schlussendlich auch geht, Kleider zu verkaufen.

Lejla ist bei Rothman Models unter Vertrag. Die Münchner Agentur hat sich auf Curvy Models spezialisiert und arbeitet mit bekannten Models wie Aglae Dreyer, Carina Behrens, Jada Sezer oder auch Veronika Nagyova. Vor kurzem hat die Agentur eine sogenannte Inbetween-Division gelauncht. Es gibt die Model Agentur bereits seit 1983, damals noch unter dem Namen Brigitte Models.

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