Interviews Mode

Thomas Schneider: Dieser Mann weiß, was Plus Size Frauen wollen

Credits: PlusPerfekt

Er kommt aus Schwaben und kennt den Große Größen Modemarkt so gut wie seine Westentasche. Gut zehn Jahre ist er schon bei Ulla Popken als geschäftsführender Gesellschafter für das Gesamtunternehmen zuständig. PlusPerfekt sprach mit Thomas Schneider beim Launch der Anna Scholz Kollektion für Ulla Popken. 

Seit wann sind Sie bei Ulla Popken?

Thomas Schneider: Seit 26 Jahren. Ulla war meine Schwiegermutter. Wir sind ein Familienunternehmen. Die Marke Ulla Popken ist 1987 von meinem Schwiegervater Friedrich Popken und seiner Frau Ulla gegründet worden, und ich hatte die Chance 1992 dazu zukommen. Ich war zwei Jahre in Europa und habe dann mit meiner Frau Ulla Popken in Amerika aufgebaut. Seit zehn Jahren sind wir wieder hier und seitdem darf ich mich um das Gesamtunternehmen kümmern.

Wie sehen Sie die Entwicklung? Es hat sich ja vieles getan in dieser Zeit.

Thomas Schneider: Die Entwicklung ist sehr positiv. Wir haben in den ganzen Jahren unsere Marktbedeutung ausbauen können. Was sehr offensichtlich ist, ist die Entwicklung hin in Richtung Online-/Internetkauf. Wir haben bereits Ende der 90er Jahre unseren ersten Internet-Shop live genommen. Da durfte ich auch von Amerika aus mit treibend sein. Wir machen mittlerweile im Online-Versandhandel mehr Umsatz als in unseren immerhin 280 Ulla Popken Läden.

Ich kenne das Unternehmen schon lange, bin aber dennoch erstaunt wie groß Popken tatsächlich ist.

Thomas Schneider: Wir sind gerne ein bisschen low-key und verkaufen uns gerne ein bisschen schlechter als wir sind. Und fühlen uns da auch ganz wohl in der Rolle. Aber wir haben eine tolle Kundin, die sehr loyal zu uns ist und durch dick und dünn mit uns läuft. Der Modemarkt insgesamt draußen ist nicht ganz einfach, aber wir haben uns in den letzten Jahren toll weiterentwickeln können, und dafür sind wir unseren Kundinnen natürlich sehr dankbar.

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Studio Untold wurde vor etwa vier Jahren gelauncht. Wird das Label gut angenommen?

Thomas Schneider: Klar, es ist ein sehr junges Label, der Große Größen Markt bei den ganz jungen Frauen ist sehr fragmentiert und es ist nicht so einfach da als Marke ein Zuhause zu finden. Aber es gibt den Markt, es gibt sehr viele junge Frauen, die sich vielleicht noch nicht trauen bei Ulla einzukaufen, und für sie ist Studio Untold eine interessante Alternative. Wir haben da andere Passformen, einen anderen Modegrad, ein anderes Design-Team und das bauen wir weiter aus.

Einige Labels scheinen Richtung Plus Size zu switchen, ohne dass sie es publik machen. Ist das etwas, das bei Popken auch beobachtet wird?

Thomas Schneider: Ja, natürlich. Das ist eigentlich ein Trend, den wir schon in den letzten Jahrzehnten feststellen. Vor allem, wenn der Markt im regulären Größenbereich etwas schwieriger wird, dann suchen Marken neue Wege sich weiterzuentwickeln und dann geht man eben auch mal eine Größe größer. Das erkennen wir im Markt und das ist auch ein durchaus ernst zu nehmender Wettbewerb. Eine große Herausforderung ist das Thema Passform. Wenn ich einen Artikel für eine Größe 36 entwickle, kann ich ihn nicht einfach hoch auf eine Größe 60 gradieren. Wir entwickeln unsere Mode für die Frauen der großen Größe und deswegen ist das Thema Passform für uns ganz, ganz wichtig. Das ist der Vorteil, den man hat, wenn man sich zu einer Nische ganz klar bekennt. Regulärgrößen waren bei Ulla Popken nie ein Thema. Wir sind das große Größen Label und das soll auch so bleiben.

Passform ist im Große Größen Bereich ein brisantes Thema …

Thomas Schneider: Wir haben den Vorteil, dass wir eine sehr, sehr große Kundenbasis haben. Durch die Abverkäufe gibt uns die Kundin täglich ein Feedback und wir können sofort reagieren. Und das tun wir. Wir sind sehr, sehr schnell. Als Familienunternehmen berichten wir nur an uns selbst und wenn wir Veränderungsbedarf erkennen, dann reagieren wir sofort. Die Kundin gibt uns über Retourenquote und andere Themen natürlich sofort Feedback, wenn wir mal daneben gegriffen haben, aber die Passform ist eben ein ganz ernst zu nehmendes Thema. Und die Modelabel, die nebenbei große Größen mit machen, erkennen sehr schnell, dass das eine große Herausforderung ist.

Zur Kooperation mit Anna Scholz: Ulla Popken ist eher für saloppere Schnitte bekannt, Anna Scholz dagegen für sehr feminine, figurbetonte Kleidung. Haben Sie das bewusst gesucht?

Thomas Schneider: In unseren Kollektionen, bei Selection zum Beispiel, gehen wir auch in den eleganteren, feminineren Bereich, aber grundsätzlich ist es so, dass wir unseren Kunden immer wieder etwas Neues bieten wollen. Und deswegen stehen wir Kooperatioen mit Designern sehr offen gegenüber. Wichtig ist, dass wir eine gewisse Kompetenz haben wollen. Es gibt gar nicht so viele Designer, die eine Große Größen Kompetenz mitbringen. Anna ist seit 30 Jahren diesem Geschäft treu, sie hat ihren Stil und wir finden, dass das eine tolle Ergänzung zu den Kollektionen ist, die wir anbieten. Wir sind total gespannt, wie unsere Kundin die Kollektion annimmt und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Anna. Sie ist ein toller Mensch und die Zusammenarbeit für die erste Kollektion hat sich super angenehm gestaltet. Es muss in der Mode auch menschlich passen. Und das ist so, deswegen freuen wir uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Anna.

Haben Sie eine positive Message, die Sie unseren Leserinnen in Sachen Mode geben möchten?

Thomas Schneider: Die positive Message ist, das wir tagtäglich für die Kundin ackern, dass wir unsere Leute durch die ganze Welt schicken um neue Entwicklungen, neue Trends aufzuspüren und die versuchen, so gut es geht für unsere Kundin hier in Europa umzusetzen. Das geht nicht immer. Wir rennen nicht jedem verrückten Trend hinterher, aber wir haben sehr viele gute Ideen und super Mitarbeiter, die bei uns den ganzen Tag, für sie, die Kundin, hart arbeiten. Und das ist unser Fokus.

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