Sie machen anderen Frauen Mut! Lipödem & Lymphödem - Jasmine und Britta kennen beides

Kompressionsgestöber: Warum Jasmine und Britta so vielen Frauen Mut machen

Jasmine und Britta sind Freundinnen und bemerkenswerte, Mut machende Frauen. Kennengelernt haben sie sich über die Lipödem Community auf Instagram, denn beide haben Lipödem und Lymphödem. Statt mit ihren Erkrankungen zu hadern, starten sie ein gemeinsames Herzensprojekt: Kompressionsgestöber.

Schonungslos ehrlich, mit viel Herz und Humor

Kompressionsgestöber ist ein Blog- und Instagram-Projekt für mehr Aufklärung rund um Lipödem und Lymphödem. Hier stehen die zwei Freundinnen für andere Patienten und sich selbst ein. Sie sprechen offen auch über unangenehme Themen und klären Fragen aus der Community. Es geht dabei nicht immer nur um die Erkrankung, sondern auch um Erfahrungen mit und bei Ärzten, in Sanitätshäusern, bei Rehas. Die richtige Pflege der Kompression ist ebenso Thema, wie das Erlernen eines positiven Umgangs damit. Es geht um Zusammenhalt und – ganz wichtig – um Freundschaft. All das machen sie schonungslos ehrlich, mit ganz viel Herz, jede Menge Humor und tollen Bildern und Videos.

„Lipödem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die meist an Ober- und Unterschenkeln sowie im Hüftbereich auftritt. Die Betroffenen sind überwiegend Frauen. Experten vermuten, dass die Erkrankung hormonelle Ursachen hat.“

Von Fashion-Liebe & Freundschaft

Jasmine und Britta lieben Mode und ihr Partnerlook auf den Fotos kommt nicht von ungefähr. Die Beiden hatten und haben – unabhängig voneinander – einen ähnlichen Kleidungsstil. Und als sie sich das erste Mal persönlich trafen, war die Verwunderung und auch die Sympathie riesengroß. Trug doch Jasmine ein Kleid, das bei Britta gerade auf der Wäscheleine hing. Eine gemeinsame Fashion-Leidenschaft, die sich natürlich auch auf ihren Fotos widerspiegelt.

Zwei inspirierende Frauen

Britta alias @LippaBritta

Britta alias @Lippabritta auf InstagramBritta ist unermüdlich im Einsatz, wenn es um Flachstrick-Kompression und eine bedarfsgerechte Versorgung bei Lipödem und Lymphödem geht. Sie ist ein Frühlingskind, geboren 1984. Einige kennen @LippaBritta sicherlich aus den Sozialen Medien. Dort ist sie auf Instagram, Facebook, YouTube und Pinterest vertreten.

Britta hat Lipödem im Stadium III und Lymphödem, sekundär Stadium II. Sie sagt, schon seit sie denken kann, waren ihre Beine anders als die anderer Mädchen. „Nettigkeiten“ wie Sauerkrautstampfer, deutsche Panzer rollen wieder, wo du hintrittst wächst kein Gras mehr usw. gehörten für Britta zur Normalität. Doch sie konnte nicht verstehen wieso das so war. Die Form ihrer Beine war ihr doch durch ihre Mutter und ihre Schwester so vertraut. Ihr wurde klar, dass sie, dass ihre Mutter und ihre Schwester anders sind.  Anders als alle anderen. Sie „gehören nicht dazu und passen nicht in die Gesellschaft.“

„Das Lipödem ist eine sehr schmerzhafte und voranschreitende Erkrankung“, sagt Britta. Eine Erkrankung, die gekennzeichnet ist durch die atypische, symmetrische Häufung von Fettgewebe an Hüften und Beinen, aber auch den Armen. Und weil sich im Gewebe Ablagerungen und Verhärtungen durch Eiweiße und Gewebsflüssigkeit stauen, werden die betroffenen Regionen extrem schmerzempfindlich. Berührungen verursachen Unbehagen.

Von der Krankheit gezeichnet
Aus der Bildergalerie von Kompressionsgestöber | Credits: Kompressionsgestöber

„Blaue Flecken und Tränen sind ein Abbild des Alltags mit Lipödem.“

Die junge Frau musste viel Leid erfahren. Kein Arzt konnte oder wollte ihr helfen. Sie vermutet, es geht fast jeder Betroffenen so. Nach vielen Jahren erhält sie schließlich im September 2017 ihre Diagnose. Doch unterkriegen lässt sie sich nicht. „Es ist ja schließlich mein Leben!“

Zu ihren größten Leidenschaften gehören Beauty, Mode und Gesundheit. Sie liebt es sich zu stylen und ihren eigenen Stil zu finden und lässt sich das auch nicht nehmen. Mode wurde zu ihrem Anker und hilft ihr selbstbewusst zu sein. Sie sagt: „Wenn ich meine Kompression anlege, mir mein Outfit zurechtlege, mein Make-up auftrage, meine Accessoires aussuche und meine Haare frisiere, dann merke ich, wie mir niemand etwas kann!“

Britta liebt Mode

„Ich fühle mich stark, schön und frei! Frei von Vorurteilen und Beleidigungen. Denn das was ich denke und fühle ist die einzige Wahrheit, die mich kümmern sollte.“

Natürlich sieht und spürt sie viele Blicke, hört Getuschel und Kommentare. Britta hat gelernt damit umzugehen und auch, dass es nicht nur ihr so geht, sondern auch vielen Menschen, die nicht krank sondern „einfach nur irgendwie anders“ sind. Die kleiner oder größer, etwas dicker oder dünner sind als andere, oder vielleicht eine andere Herkunft haben.

Brittas Alltag ist durch die Erkrankung sehr straff terminiert und geprägt. Chronische Krankheiten bringen viele zusätzliche Termine, Kosten und Verpflichtungen mit sich. Lymphdrainage, Fitnessstudio, Schwimmen und dann noch die regelmäßigen Arztbesuche. Aufenthalte im Sanitätshaus zum Maßnehmen der neuen Kompressionsbekleidung, Reha-Maßnahmen, Rehasport und Bewegungstherapie – um nur einige zu nennen. All dies ist für sie mit starken Schmerzen und enormen Kosten verbunden. Oft bringt sie das fast zum Verzweifeln. Der berufliche Alltag, Familie, Freunde, all das gehört schließlich auch dazu und möchte bewältigt werden.

Kämpfen #füreinebedarfsgerechteversorgung

Trotz all dem möchte Britta euch etwas mit auf den Weg geben: „Lasst euch nicht unterkriegen! Es ist euer Leben. Nehmt es in die Hand, haltet zusammen und lasst uns gemeinsam kämpfen!“

Jasmine @Lipoedemafighter

Jasmine alias @lipoedemafighter auf Instagram Jasmine hat ihre Diagnose Lipödem, Stadium II, und Lymphödem, Stadium II, vor etwa vier Jahren erhalten und mittlerweile sind auch ihre Arme betroffen.

Die Personalreferentin und begeisterte Fotografin postet über ihren Lip-/Lymph Alltag auf Instagram unter lipoedemafighter. Doch der Weg dorthin hat, wie bei Britta, sehr lange gedauert.

Für Jasmine begann es damit, dass ihre Beine immer dicker wurden. Die Lymphe staute sich schließlich so schlimm, dass ihr keine Schuhe mehr passten. Jasmine geht mehrfach zum Hausarzt und verschiedenen Orthopäden. Doch es heißt immer nur, dass sie mehr Sport treiben und weniger Essen solle. Über drei Jahre dauert es, bis sie endlich in der Gefäßchirurgie des örtlichen Krankenhaus die Diagnose Lymphödem erhält. Zu diesem Zeitpunkt schmerzten ihre Fußknöchel durch die starken Schwellungen schon so sehr, dass sie kaum mehr Laufen konnte. Noch heute ist sie von der Tatsache schockiert, dass weder ihr Hausarzt noch die verschiedenen aufgesuchten Orthopäden dazu in der Lage waren, ihr zumindest das offensichtliche Lymphödem zu diagnostizieren. Und gerade das ist der Grund, weshalb ihr die rechtzeitige Aufklärung so am Herzen liegt.

Jasmine lässt sich die gute Laune nicht nehmen

„Je früher man die richtige Behandlung erhält, um so schneller kann man mit einer geeigneten konservativen Therapie beginnen, Lebensqualität zurückgewinnen und die Schmerzen zumindest reduzieren.“

Als bei Jasmine Lipödem und Lymphödem diagnostiziert wurde, war sie zunächst unheimlich erleichtert. Nach all den zahllosen Arztbesuchen endlich eine Diagnose! Doch dann kamen die Fragen. Worauf muss man bei der Kompressionsbestrumpfung achten? Welches Sanitätshaus kennt sich mit der Erkrankung am besten aus? Welche Ärzte gibt es in meiner Nähe, die wirklich empfehlenswert sind?

Sie hatte damals Glück, lernte die Selbsthilfegruppe Lily Ludwigsburg kennen. Dort erhielt sie viele Antworten auf ihre Fragen. Gemeinsam durften und mussten sie über die Jahre viele Erfahrungen sammeln. Permanent stehen sie im Austausch mit Ärzten, Sanitätshäusern, Kompressionsherstellern und natürlich auch Selbsthilfegruppen.

Ihr Wissen geben Jasmine und Britta alias Kompressionsgestöber gerne auf Social Media und ihrem Blog weiter. Und sie halten informative, inspirierende und Mut machende Vorträge, auf denen ihr sie live erleben könnt.

„Je schneller die richtige Diagnose gestellt werden kann, um so mehr kann man als Patient Langzeitschäden herauszögern.“ Jasmine