Love me. Like me! Über Body Positivity im Zeitalter digitaler Pseudo-Perfektion

Social Media verspricht Sichtbarkeit, doch zu welchem Preis? Body Positivity, das war gestern. Fotos werden optimiert, Körper toxisch kommentiert, Identitäten in Sekunden be- oder verurteilt. Was als Unterhaltung beginnt, entwickelt schnell eine Eigendynamik. Besonders dann, wenn Frauen nicht dem entsprechen, was Algorithmen und Sehgewohnheiten als vermeintlich vorzeigbar definieren. Zwischen Filtern, Retuschen und KI-generierten Idealen entsteht eine Ästhetik der Perfektion, die mit Realität zwar wenig zu tun hat, aber durchaus reale Folgen zeigt.

– Foto: Melanie Hauptmanns, Body Positivity Aktivistin und Autorin – 

Body Positivity statt Inszenierung

Hier setzt „Love me. Like me!“ von Melanie Hauptmanns an. Ein Roman, der Cybermobbing mit Tempo, Humor und einem klaren Blick auf die gesellschaftlichen Mechanismen erzählt. Im Mittelpunkt steht Lisa. Sie ist Kassiererin in einem Supermarkt. Ihr Alltag ist geprägt von piependen Scannern und überschaubaren Perspektiven. Bis ihr neuer Chef sie überraschend zum Gesicht einer Social-Media-Kampagne macht. Plötzlich wird aus Routine Reichweite.

Was zunächst nach Aufstieg klingt, entpuppt sich schnell als digitaler Härtetest. Ein ungeschickter Moment und Lisa geht viral. Allerdings nicht wegen einer makellosen Inszenierung, sondern gerade wegen ihrer Authentizität. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Es gibt Kommentare über ihren Körper, ungefragte Bewertungen und Grenzüberschreitungen unter dem Schutz der Anonymität. Die Dynamik ist bekannt, die Intensität dennoch verstörend.

„Es ist heute selbstverständlich die Körper, insbesondere von Frauen zu kommentieren & zu sexualisieren. Dabei ist es einfach dies anonym im Internet zu tun. Selbst vor Kindern & Jugendlichen wird nicht Halt gemacht.“
Melanie Hauptmanns

Sichtbarkeit als Prüfung

Melanie nutzt in ihrem Roman Humor als Gegengewicht zur Schärfe des Themas. Missgeschicke, unerwartete Wendungen und pointierte Dialoge zeigen, wie absurd die Erwartung permanenter Perfektion ist. Gleichzeitig wird deutlich, wie schnell Selbstzweifel entstehen können, wenn die öffentliche Meinung zur täglichen Begleitmusik wird. Lisas Weg entpuppt sich nicht als makelloser Aufstieg, sondern als eine Entwicklung hin zu mehr Selbstbestimmung. Gespickt mit Unsicherheiten, einer gehörigen Portion Trotz und der wachsenden Klarheit darüber, wessen Stimme wirklich zählt.

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Selbstbild unter Druck

Spannend ist die Verschiebung der Perspektive. Sichtbarkeit erscheint nicht als Ziel, sondern als Prüfung. Was geschieht, wenn ein Körper im digitalen Rampenlicht steht? Wer definiert, was schön, was akzeptabel ist? Wie lässt sich Selbstbewusstsein behaupten, ohne sich in permanenten Rechtfertigungen zu verlieren?

„Love me. Like me!“ versteht Body Positivity als gelebte Erfahrung. Die Geschichte zeigt, wie schnell ein Selbstbild unter öffentlichem Druck ins Wanken geraten kann und warum Selbstironie manchmal widerstandsfähiger macht als stereotype Perfektion. Gerade weil der Roman leicht zugänglich bleibt, entfaltet er Wirkung. Unterhaltung und Relevanz schließen sich nicht aus. Wir alle kennen diese digitale Realität, in der Körper politisch sind, Kommentare viel zu oft toxisch und nur selten neutral. Ein Roman über den Einfluss sozialer Medien und darüber, wann es sinnvoll ist, digitale Maßstäbe als solche zu erkennen und ihnen im realen Leben weniger Gewicht zu geben.

„Ich bin eine kurvige Frau & kenne das Gefühl beurteilt zu werden. Als Mutter möchte ich genau das nicht für mein Kind & doch ist Bodyshaming seit der dritten Klasse ein Thema. Damit muss Schluss sein. Gerade wir Frauen müssen laut werden & uns wehren.“
Melanie Hauptmanns

Plusperfekter Buchtipp

Love me. Like me! – Roman über Cybermobbing, Selbstbild und digitale Öffentlichkeit

Autorin: Melanie Hauptmanns. Das Taschenbuch ist erschienen im hansanord Verlag. Die ISBN lautet 978-3-692-86000-8. Der Preis beträgt 18 Euro.

Kurzbeschreibung
Lisa führt ein unauffälliges Leben zwischen Supermarktkasse und Wochenendroutine, bis sie unverhofft zur Protagonistin einer Social-Media-Kampagne wird. Zwischen digitaler Kritik, beruflichem Druck und neuen Chancen stellt sich die Frage, wie viel Anpassung sinnvoll ist und wann Selbstbestimmung beginnt. Ein Roman über die Mechanik digitaler Aufmerksamkeit, über Grenzüberschreitungen im Netz und über den Mut, sich nicht auf Bewertungslogiken reduzieren zu lassen.