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Michael Michalsky: Schubladendenken ist out – Plus Size ist keine Sonderkategorie

Foto: Happy Size/MICHALSKY

Karl Lagerfeld inspirierte ihn Designer zu werden. Models castet er nach seinem Schönheitsbild. Vor drei Jahren zieht er sich bewusst aus der „Mode-Hetzerei“ zurück, designed unter ATELIER MICHALSKY Haute Couture. In Kooperation mit Happy Size entwirft er erstmals eine Damen- und Herren-Kollektion in Plus Size: „7days in Style“ feiert am 18. April online Premiere. PlusPerfekt sprach mit Modeschöpfer und Designer Michael Michalsky.

Herr Michalsky, Sie sind Juror bei GNTM und betreuten Team Diversity. Inwieweit war das für Sie Anstoss für die Zusammenarbeit mit Happy Size?

Michael Michalsky: Diversity spielt für mich schon immer eine wichtige Rolle. Wenn ich jemanden für meine Show aussuche, caste ich Models nach meinem individuellen Schönheitsbild. Und das ist nicht abhängig von der Kollektionsgröße. Die Vision für eine Plus-Size Kollektion hatte ich schon länger. Mit Happy Size habe ich dafür den richtigen Partner gefunden. Die Marke ist jung, modern und zeitgemäß. Das hat mir gefallen.

Mittlerweile gibt es einige Labels, die Mode in Großen Größen anbieten. Im High Fashion Bereich tut man sich schwer. Auf den Laufstegen sieht man zwar hin und wieder Ouoten­ Curvys, doch wie offen ist die Modewelt tatsächlich für Plus Size Fashion?

Michael Michalsky: Viele Leute sehen Plus Size immer noch als eine Art Fashion Sonderkategorie. Ich glaube, das ist überholt. Schubladendenken ist out – auch im High Fashion Bereich. Ich bin sicher, dass wir diesen Unterschied in Zukunft nicht mehr machen.

Worauf achten Sie, wenn Sie Mode für Plus Size entwerfen?

Michael Michalsky: Ich entwerfe Schnitte, die Kurven schmeicheln und benutze nur hochwertige Materialien, die umspielen und nicht auftragen. Es geht darum, eine schöne Silhouette zu kreieren. Vor allem wollte ich dem modischen Anspruch der Kunden gerecht werden und coole, besondere Pieces mit trendigem Charakter designen.

Haben Sie eine andere Herangehensweise wie bei Normalgrößen?

Michael Michalsky: Nein. Mode soll hochwertig, stylish und zeitgemäß sein. Ob für Happy Size oder für ATELIER MICHALSKY: Ich möchte Menschen schön und modern kleiden.

Manche Marken decken eine Größenrange von 34 bis 52 ab. Warum wagen sich so wenige Designer daran ihre Kollektion bis in Plus Size hinein zu graduieren?

Michael Michalsky: Als Designer braucht man die nötige Expertise für gute Schnittführung wenn man für Plus Size entwirft. Aber das kann man lernen. Ich denke, nicht die Designer sind das Problem sondern die Salesleute und Einkäufer. Die denken, es reicht, wenn sie die Standardgrößen anbieten. Deshalb sind Anbieter wie Happy Size so enorm wichtig und deren Erfolg zeigt es.

Gibt es Schnitte, die für große Größen tabu sind?

Michael Michalsky: Ein No-Go sind zu weite Schnitte. Das Geheimnis ist es, die Silhouette hervorzuheben und richtig in Szene zu setzen.

Was hat Sie zu dieser Kollektion inspiriert?

Michael Michalsky: Ich wollte stylishe Looks entwerfen, die man zu jedem Anlass tragen und kombinieren kann. Der Grundgedanke der ,,7days“ Kollektion behandelt die Dauerfrage: Was ziehe ich wozu an? Ich wollte diesem Kopfzerbrechen ein Ende machen und Looks kreieren, die immer passen – ob zur Arbeit, zum Reisen, zum Date oder zum Shopping. Die Stücke der Kollektion können phantastisch miteinander kombiniert werden. Das gibt für den Kunden eine enorme Vielfalt und Freiheit für die verschiedenen Gelegenheiten. ,,7days in Style“.

Was ist für Sie DAS Must-have im Kleiderschrank jeder Plus-Size Frau?

Michael Michalsky: Trends sind keine Frage der Konfektionsgröße. Für diesen Frühling empfehle ich jeder Frau eine gut sitzende Jeans, einen oversized Blazer und Stilletto-Heels.

Gibt es zur Zeit einen Streetstyle, der Ihnen gar nicht gefällt?

Michael Michalsky: Beim Streetstyle gibt es keine Tabus. Und der Berliner Streetstyle lebt davon. Er ist mutig, laut und neugierig. Da geht alles. Mein absolutes No-Go sind Radlerhosen, wenn man kein Fahrrad fährt.

Was sehen Sie am liebsten an Frauen?

Michael Michalsky: Ein Lächeln. Wenn sie dann noch ein Outfit trägt, das ihren Charakter unterstreicht, hat eine Frau den perfekten Look.

Welche Mode trägt ein Michael Michalsky? Entwerfen Sie Ihre Kleidung selbst?

Michael Michalsky: Privat trage ich am liebsten lässige Streetwear. Darunter sind viele MICHALSKY Teile, die ich mit anderen Stücken kombiniere. Meine MICHALSKY Lack-Velcros müssen aber immer dabei sein.

Was ist Ihr Lieblingstrend? Wer ist Ihre Lieblingsdesignerin / Ihr Lieblingsdesigner?

Michael Michalsky: Zur Zeit liebe ich die Farbe Shocking Pink – am liebsten head-to-toe. Das ist ein toller Trend für den Frühling/Sommer. Mein absoluter Style-Hero ist Karl Lagerfeld. Er hat mich damals inspiriert, Designer zu werden.

Ist Öko-Mode ein Thema für Sie?

Michael Michalsky: Ich finde, das Wort „Öko“ hat einen schlechten Ruf. Ich habe mich vor drei Jahren bewusst aus der Mode-Hetzerei zurückgezogen und designe unter ATELIER MICHALSKY Haute Couture Kollektionen. Das ist selektiver und hochwertiger. Ich finde toll, wenn Mode für alle zugänglich ist, aber Fast Fashion ist nicht mehr zeitgemäß.

Gibt es in Zukunft eine eigene Michael Michalsky Plus Size Kollektion?

Michael Michalsky: Erstmal freue ich mich die ,,7days“ Kollektion online zu sehen. Aber natürlich kann ich mir das vorstellen. Wenn wir schon soweit gegangen sind, ist die eigenständige MICHALSKY Plus Size Kollektion nur noch ein kleiner Schritt.

Stehen Sie manchmal vor Ihrem Kleiderschrank und denken „Ich habe nichts anzuziehen“?

Michael Michalsky: Na klar, wer kennt das nicht. Grausam. Besonders, wenn man in Eile ist. Ich habe aber eine goldene Regel: Für jedes neue Teil muss ein altes gehen. Da behält man den Überblick.

 

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