Nachgefragt: Das ist der Unterschied zwischen Plus Size und Size Inclusive

Curvy Fashion, Plus Size, Große Größen Mode oder Kleidung in Übergrößen, diese Begriffe kennen wir zur Genüge. Doch was bitte bedeutet „Size Inclusive“?

Denkt man an die Modeindustrie und viele Model-Agenturen, dann fängt Plus Size bereits ab Konfektionsgröße 40 oder 42 an. Alles, was von der Konfektionsgröße her kleiner ist als 40/42, wird als Normalgröße bezeichnet. Was jenseits der Größe 42 liegt gilt als Curvy, Plus Size oder eben Große Größe. Mit diesem Wording zieht man schon seit Jahren eine fatale Grenze: Frauen die eine vermeintliche Normal- bzw. Standard-Konfektionsgröße tragen, entsprechen damit dem gängigen Schönheitsideal und gelten als schlank oder sehr schlank. Jene, deren Konfektionsgröße darüber liegt gelten als „un-normal“ und dick.

Wo fängt Standard an, wo hört Standard auf?

Tatsächlich trägt aber fast die Hälfte aller deutschen Frauen Größe 42 und größer. Rund ein Drittel hat Konfektionsgröße 44 plus. Darunter auch immer mehr junge Frauen. Glaubt man den vielen Aussagen während des Lockdowns, dürfte die Zahl mittlerweile sogar deutlich höher sein, sprechen doch viele wegen mangelnder Bewegung und diverser anderer Gründe davon an Gewicht und Umfang zugelegt zu haben. Von Ausnahme oder „nicht Standard“ kann also bei Konfektionsgrößen jenseits der 42 schon lange nicht mehr die Rede sein. Dennoch steckt man durch diese Kategorisierung Plus Size Frauen in die Schublade der Andersartigen.

Doch wie vielfältig ist das Modeangebot tatsächlich?

Nun könnte man sagen, das ist doch alles gar kein Problem. Schließlich gibt es mittlerweile so viele Plus Size Labels, dass auch die Wünsche und Anforderungen der Große Größen Kundin erfüllt werden. Eine aktuelle Marktanalyse zur Vielfalt in der Damenmode liefert dazu konkrete Zahlen und Einblicke in Größenangebot, Verfügbarkeit und die Situation im deutschen Modemarkt. Sie belegt, dass mittlerweile 67 Prozent der Große Größen Mode nur oder überwiegend in Online Shops erhältlich ist. Als H&M im Herbst 2020 die Plus Size Abteilungen aus den Ladengeschäften verbannte, ging ein Aufschrei durch die Curve Community. Heute hat sich die Plus Size Kundin schon fast damit abgefunden, dass sie nur selten im stationären Einzelhandel fündig wird.

Häufig entsprechen die verfügbaren Kleidungsstücke nicht den gängigen Modetrends. Beispielsweise bei Damen-Kleidern jenseits der Konfektionsgröße 44* sinkt die Auswahl bis Größe 50/56 um fast 60 Prozent, bis Größe 60/64 sogar um mehr als 95 Prozent. Und noch immer wird Kleidung im klassischen „Säckchen-Look“ (Anm. d. Red.: Charmante Abwandlung des Wortes Säcke) angeboten, wie man ihn schon seit Jahrzehnten kennt.

Hinzu kommt: Viele Modeunternehmen, die ergänzend zu ihrer Normalgrößen- eine Plus Size Kollektion im Sortiment haben, verfügen im Große Größen Segment nur über eine deutlich kleinere Auswahl, die sich in der Schnittführung und Originalität oftmals enorm von den vermeintlichen Normalgrößen unterscheidet. Mal ganz abgesehen von den auf merkwürdige Weise das Übergewicht verniedlichenden oder gar absurd wirkenden Namen mancher Plus Size Labels.

Size Inclusive – ein anderer Ansatz

Und nun kommen wir endlich zu Size Inclusive. Dieser Ansatz geht einen komplett anderen Weg. Firmen, die Größen inklusive Mode anbieten, graduieren ihre Modelle von einer niedrigen Konfektionsgröße bis hin zu einer hohen und trennen damit nicht das „normale Angebot“ vom Große Größen Sortiment. Die gleichen Kleidungsstücke werden in allen Konfektionsgrößen angeboten. In Deutschland sucht man dieses Portfolio bei den Bekleidungsmarken meist vergebens. Kaum ein Label handhabt das so. Meist endet das Sortiment bei Größe 44, in Ausnahmefällen bei Größe 46.

Dass Size Inklusive nicht nur ein spannender Ansatz, sondern durchaus umsetzbar ist, zeigen im Ausland bereits verschiedene Labels. Darunter auch Fast Fashion Anbieter wie PrettyLittleThing oder Shein. Wirklich interessant sind die verschiedenen größeninklusiven Kooperation zwischen Adidas und Ivy Park, dem Modelabel der US-amerikanischen Sängerin Beyonce, wobei auch hier einige Pieces nicht bis in die Großen Größen erhältlich sind.

In Deutschland tut man sich mit Size Inclusive noch schwer, dabei wäre Mode, losgelöst von Größenschubladen, auch in Zeiten der Abnehmspritzen ein wichtiger Schritt in Sachen Inklusion und Body Positivity.

 

*) Marktbetrachtung Damenmode | Ulla Popken | August 2026

 

– Leseliebling – überarbeitet am 17. September 2026 –