Taschen-Trends, die wir lieben: Slouchy, groß und einen Tick extravagant

Sie ist vorbei, die Ära der Micro-Bags. Winzig kleine Täschchen, in die gerade mal eine Kreditkarte und ein Lippenstift passen. Die Handtasche mit Platz fürs Leben ist zurück.

– Foto: James Cochrane für Baum und Pferdgarten | Copenhagen-Fashion-Week AW2026 –

Der Kurswechsel der großen Modeateliers in Paris und Mailand zeichnet sich auch bei den Taschen ab. Designer-Handtaschen fungieren seit jeher als Seismograf für gesellschaftliche Sehnsüchte. Wenn Luxus Labels großzügige Silhouetten auf den Runway schicken, nimmt das Einfluss auf die gesamte Ästhetik des Marktes. Aufwendige Verarbeitungstechniken, hochwertiges Leder und zeitlose Formen legen den Fokus auf Qualität und stehen für Langlebigkeit. Ein Gegenpol zu schnelllebigen Trends. Eine Designer-Tasche shoppen ist im Jahr 2026 ein bewusstes Investment und damit mehr als ein Accessoire.

Geometrie: Breite statt Höhe

In dieser Saison dreht sich vieles um die Proportionen. Die Silhouette verschiebt sich in die Horizontale. East-West-Bags, eine Hommage an die 1990er-Jahre, sind eher minimalistisch, clean und elegant. Sie überzeugen mit ihrem extrem in die Breite gezogenen Format und bieten dabei überraschend viel Platz für die Utensilien des Alltags. Getragen werden sie unter dem Arm. Ihre schmale Silhouette ist der perfekte Gegenpol zum maskulinen Volumen zweireihiger Blazer, Oversized-Wollmäntel und Wide-Leg-Pants.

 

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Slouchy, Undone oder Handle Bags

Deutlich geräumiger sind Slouchy Bags (slouchy ist Englisch und steht für lässig, hängend, formlos, Anm. d. Red.). Die neuen XXL-Shopper sind aus weichem Material, wie geschmeidigem Leder, Wild- oder Kunstleder und sacken in sich zusammen, wenn man sie abstellt. In ihnen finden Laptop, Tablet, Wasserflasche, ein Schal und all die Dinge Platz, die man nach Verlassen des Hauses, objektiv betrachtet, meist gar nicht braucht. Slouchy Bags werden nonchalant unter den Arm geknautscht, als wäre der Inhalt viel zu wichtig, um ihn am Henkel spazieren zu tragen.

Da XXL-Shopper optisch viel Platz für sich beanspruchen, werden sie mit schmalen Silhouetten kombiniert. Ein scharf geschnittener Trenchcoat aus festem Gabardine oder ein schmaler Mantel aus Kaschmir bilden einen stylischen Kontrast zur voluminösen Tasche.

 

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Als Undone Work Bag oder auch Undone Shoulder Bag bezeichnet man Taschenmodelle, die das Unperfekte zelebrieren. Die Reißverschlüsse sind deutlich sichtbar. Die Taschenklappen  „stehen offen“, als hätte man gerade etwas hineingepackt.

Ebenfalls angesagt sind Top Handle Bags. Sie haben einen oder zwei kurze Henkel und werden in der Hand oder in der Armbeuge getragen. Der feste Taschenkörper und der kurze Griff erinnern an die fast spießige Eleganz der Fünfzigerjahre. Ihre starre Kontur macht die Tasche zum perfekten Stilbruch zu weiten, maskulinen Mänteln, derben Shearling- oder Bomberjacken aus Leder.

Ein Hauch von Schokolade und Espresso

Die ultimative Taschenfarbe der Saison ist Braun. Sie schmeckt nach Bitterschokolade und Espresso, wirkt extrem wertig und bringt alles mit, um Schwarz als universelle Farbe abzulösen.
Flankiert wird dieses satte Braun von einem tiefen Burgunderrot, das hervorragend zu den Grautönen der Winterlooks passt. Im Kontrast dazu steht die Trendfarbe Buttergelb. Sie bricht und ergänzt zugleich die für den Herbst und Winter typische Farb-Melancholie.

Der Farbmix im Alltag

Eine Tasche in Burgunder wird zum Eyecatcher, wenn sie mit monochromen Outfits in Camel oder Sand kombiniert wird. Softes Buttergelb gibt einem anthrazitfarbenen Hosenanzug ein Upgrade. Das Grau nimmt dem Pastell die Süße, das Gelb gibt Anthrazit einen stylischen Twist.

Glatt, fest oder knautschig

Wildleder (Suede, Anm. d. Red.) ist das Material der Stunde. Velourstaschen in satten Erdtönen wirken edel und verlocken dazu angefasst zu werden. Wer es expressiver mag, setzt auf Kroko-Prägungen. Man sieht sie häufig bei klassischen Modellen. Kuschelig wird es mit Teddy-Stoff und Faux Fur. Was vom Material her nach Skihütten-Ambiente klingt, wird durch cleane, geometrische Formen absolut urban.

Suede verträgt sich übrigens hervorragend mit glatten Materialien. Eine braune Wildleder-Bag zum Slip-Skirt aus Seide und zu einem grob gestrickten Cardigan sorgt für einen spannenden Mix. Matter Strick und derbe Denim-Stoffe passen wiederum perfekt zu Taschen mit Kroko-Prägung.

Flap Bag, der Klassiker

Es gibt Taschen, die man nicht erklären muss. Die Flap Bag gehört dazu. Coco Chanel machte die Tasche mit Verschlussklappe berühmt. Seit 1955 gehören der Überschlag, Kettenriemen und, je nach Modell, die charakteristische Steppung zum festen Bestandteil der Modegeschichte. Für Herbst/Winter wird der Klassiker neu interpretiert, mal Richtung kompakte Arzttasche, mal als schmales East-West-Modell.

 

Taschenliebe! Die Bowling Bag is back! Foto: James Cochrane für Gestuz | Copenhagen Fashion Week AW2026
Taschenliebe! Die Bowling Bag is back! Foto: James Cochrane für Gestuz | Copenhagen Fashion Week AW2026

Second Chance für die Bowling Bag

Vielleicht haben wir sie ein bisschen vermisst, ohne es zu wissen. Jetzt ist sie zurück. Ihre abgerundete, kompakte Form und die kurzen Henkel beamen uns zurück in die frühen 2000er. Damals schon ein It-Piece, passt sie jetzt zur Y2K-Welle, muss aber nicht auf Retro gestylt werden.

Mit modernen Herbstlooks funktioniert die Form erstaunlich gut. Naturtöne, Wollstoffe, ein langer Mantel und dazu eine Bowling Bag sorgen für einen zeitgemäßen Look, der so gar nicht nostalgisch wirkt.