Es gibt Marken, die für viele Curvys auf den ersten Blick nicht spannend sind. Marimekko ist eine davon. Verständlich, denn bei Konfektionsgröße 46 endet das Sortiment. Und wer möchte sich schon in eine Kollektion verlieben, die vermeintlich ohnehin nicht passt. Doch an diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzusehen.
– Kleid aus der Spring-Summer Kollektion von Marimekko | Fotografiert auf dem Runway der Copenhagen Fashion Week | Credits: James Cochrane –
Was das für Curvys bedeutet
Bei Marimekko sagt die Zahl im Etikett erstaunlich wenig über die tatsächliche Größe des Kleidungsstücks aus. Viele Kleider, Hemdblusen, Mäntel oder Jacken sind bewusst oversized geschnitten oder so konzipiert, dass ihre Passform Bewegungsfreiheit lässt. Kleidung, die Distanz zum Körper schafft, ohne ihn zu verstecken. Eine Großzügigkeit, die viele Modelle auch für Frauen interessant macht, die nicht zur eigentlichen Zielgröße der Marke gehören.
Das ist zwar kein Ersatz für größeninklusive Mode bzw. eine Plus-Size-Kollektion, die wir uns von Marimekko natürlich wünschen, bietet aber – je nach Schnitt, Material und individueller Körperform – vielen Frauen oberhalb von Konfektionsgröße 46 die Option auf das ein oder andere Lieblingsteil im Nordic Style.

Kuratieren statt neu designen
Seit Jahrzehnten steht die finnische Designikone für die klare Formensprache nordischer Mode. Seit September 2020 ist Kreativdirektorin Rebekka Bay für die Kollektionen verantwortlich. Ihr Fokus liegt auf zeitloser Langlebigkeit in Verbindung mit finnischer Tradition und moderner Funktionalität. Besonders spannend ist ihre Design-Philosophie. Sie kuratiert statt neu zu designen. Und sie kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Über 3.500 Prints aus dem riesigen Marimekko-Archiv stehen ihr für die Neuinterpretationen zur Verfügung.
Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit
Kleidung von Marimekko soll über viele Jahre hinweg tragbar sein, statt schnelllebigen Trends zu folgen. Rebekka Bay will mit optimistischen, lebensfrohen Styles die Menschen durch ihren Alltag begleiten. Um auch jüngere Zielgruppen zu erreichen, wurde unter ihrer Leitung die Streetwear-Linie mit urbanen, geschlechtsneutralen Schnitten ausgebaut.
Unikko – mehr als ein Print
„Unikko“ ist finnisch für Mohnblume und gilt als das bekannteste Stoffmuster von Marimekko. Es wurde im Jahr 1964 von der Designerin und Malerin Maija Isola entworfen. Mittlerweile ist das Muster Kult. International steht es als Symbol für skandinavisches Design, Lebensfreude und kreativen Mut.
In der Sommersaison 2026 wird Unikko in neuen Maßstäben und Farben interpretiert. Ergänzt wird es durch grafische Streifen, abstrahierte Blumenmotive und von Hand gezeichnet wirkende Drucke. Typisch für das Modelabel, ohne jedoch nostalgisch zu wirken.

Inklusivität ist mehr als eine Größentabelle
Wir messen inklusive Mode an Konfektionsgrößen. Das ist korrekt und wichtig. Nutzt nur wenig, wenn eine Größe 54 deutlich kleiner ausfällt und dann trotzdem nicht passt. Es lohnt sich daher unbedingt ein Blick auf Kollektionen, die unterschiedliche Körperformen zulassen und in großzügigen Proportionen denken.
Und während Social Media mal wieder Skinny feiert, den perfekten Körper zum Nonplusultra erklärt und KI Gesichter und Figuren zunehmend normiert, erfrischt der Ansatz von Marimekko. Die Kleidung soll Aufmerksamkeit erzeugen und nicht der vermeintlich perfekte Körper darin.
