Warum du bei der Hochzeit mehr als eine Liebeserklärung unterschreibst

Es ist einer der schönsten Tage im Leben. Wenn nicht der Schönste überhaupt. Zumindest in der Theorie. Viele Monate, manchmal sogar Jahre, wird geplant, organisiert und geträumt. Doch zwischen Brautkleid, Gästeliste und Location geraten so manche Themen in den Hintergrund, die für die gemeinsame Zukunft mindestens genauso wichtig sind: Wer trifft finanzielle Entscheidungen? Wie bleiben beide Partner finanziell unabhängig? Und wie schafft man es, den eigenen Wünschen bei der Hochzeitsfeier treu zu bleiben, wenn Familie und Freunde ganz andere Vorstellungen haben?

 – Header: Brautkleid für Curvys aus der Kollektion von Hera Couture – 

Magdalena Sporkmann und Anne Wolf werfen einen Blick hinter die rosarote Traumkulisse von Hochzeit und Ehe. Mit ihrem Buch „Wer Ja sagt, darf trotzdem Nein sagen“ verbinden sie zwei Perspektiven, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Die eine beschäftigt sich mit Geld, Vermögensaufbau und finanzieller Selbstbestimmung. Die andere begleitet seit rund zwanzig Jahren Frauen auf dem Weg zu ihrem Hochzeitstag.

Das große Ja und die unbequemen Fragen

Finanzexpertin Magdalena ist überzeugt, dass echte Gleichberechtigung nur möglich ist, wenn Frauen über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. Geld bedeutet immer auch Mitsprache. Deshalb möchte sie Frauen dabei unterstützen, finanziell unabhängig zu bleiben und informierte Entscheidungen zu treffen. Die Ehe bringt zahlreiche finanzielle Vorteile mit sich, aber eben auch Risiken, über die – so Magdalena – kaum gesprochen werde.

Magdalena Sporkmann | Credit: Barbara Dietl
Magdalena Sporkmann | Credit: Barbara Dietl

Anne erlebt als Brautmodendesignerin seit Jahren hautnah, was Frauen in der Zeit vor ihrer Hochzeit bewegt. Sie hört von großen Träumen, aber auch von Unsicherheiten, Konflikten und Erwartungen. Vieles davon wird selten offen angesprochen, obwohl es nahezu jede Braut beschäftigt. Anne möchte Bräuten zeigen, dass Hochzeitsvorbereitungen zwar anstrengend sein können, es aber trotzdem Wege gibt, bei all den Herausforderungen die Vorfreude nicht zu verlieren.

Anne Wolf | Credit: Alexander Wolf
Anne Wolf | Credit: Alexander Wolf

Wie aus (k)einer Braut eine Freundin wurde

Kennengelernt haben sich die beiden vor rund zehn Jahren. Magdalena suchte damals ein Brautkleid und wurde Annes Kundin. Das Kleid entstand. Die Hochzeit nicht. Acht Tage vor dem Termin sagte Magdalena die geplante Eheschließung ab. Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft, die bis heute anhält.

Anne hatte die berufliche Weiterentwicklung ihrer heutigen Co-Autorin aufmerksam verfolgt. Besonders beeindruckt hatte sie, wie Magdalena Themen sichtbar macht, über die häufig nicht gesprochen wird. Irgendwann entstand daraus die Idee für ein gemeinsames Buch. Es richtet sich an Frauen, die kurz vor der Hochzeit stehen oder bereits verheiratet sind. Denn Themen wie Selbstwertgefühl, Entscheidungsfähigkeit, Prioritäten, Vermögensaufbau oder finanzielle Absicherung begleiteten viele Frauen über Jahre hinweg.

Verliebt, Verlobt, Vertrag: Tabu-Thema Ehevertrag. Better save than sorry! Jetzt lesen in der PlusPerfekt Edition Curvy Bride 2026/27
Verliebt, Verlobt, Vertrag: Tabu-Thema Ehevertrag. Better save than sorry!
Jetzt lesen in der PlusPerfekt Edition Curvy Bride 2026/27

Worüber kaum jemand offen spricht

Wer regelmäßig mit Bräuten arbeitet, erkennt schnell wiederkehrende Muster. Anne beobachtete vor allem drei große Sorgen. Viele Frauen fragen sich, ob sie bei all dem Stress im Vorfeld ihren Hochzeitstag bewusst erleben können oder ob sie am Ende nur von Programmpunkt zu Programmpunkt hetzen. Hinzu kommt die Herausforderung, Wünsche und Budget miteinander in Einklang zu bringen. Und last but not least, sind da ja noch die Erwartungen von Familie und Umfeld.

Gerade der letzte Punkt werde oft unterschätzt. Wie soll gefeiert werden? Wer wird eingeladen? Welche Traditionen gehören dazu? Häufig entsteht da ein Spannungsfeld zwischen den eigenen Vorstellungen und den Wünschen anderer. Anne empfiehlt Brautpaaren deshalb, sich frühzeitig darüber klar zu werden, was ihnen wichtig ist und dies respektvoll, aber deutlich bei Familie und Freunden zu kommunizieren.

Die finanzielle Seite der Liebe

Noch kritischer sieht Magdalena die mangelnde Aufklärung über die rechtlichen und finanziellen Folgen einer Ehe. Ihrer Erfahrung nach wissen viele Paare nicht, welche Konsequenzen sie mit ihrer Unterschrift beim Standesamt tatsächlich eingehen. Viele Frauen gerieten oftmals ungewollt in finanzielle Abhängigkeiten. Wer die Spielregeln kennt, kann bewusst entscheiden und seine finanzielle Eigenständigkeit bewahren.

Besonders wichtig ist Magdalena der Umgang mit Geld in der Partnerschaft. Spätestens beim Zusammenziehen wird das Thema relevant. Getrennte Konten oder Gemeinschaftskonto? Welche finanziellen Ziele verfolgt jeder Einzelne? Wie gelingt die gegenseitige Absicherung?

Vorsorgen ist besser als Nachsorgen | Interview rund um Hochzeitsversicherungen | PlusPerfekt Edition Curvy Bride 2026 / 27
Vorsorgen ist besser als Nachsorgen | Interview rund um Hochzeitsversicherungen | PlusPerfekt – Brautmode für Curvys 2026 / 27

Wie Money-Dates Beziehungen stärken

Die Finanzexpertin empfiehlt Paaren, eigene und gemeinsame Ziele klar voneinander zu trennen. Jeder sollte sich regelmäßig fragen, ob das eigene Einkommen ausreichen würde, um unabhängig leben zu können, ob die Altersvorsorge tragfähig ist und welche finanziellen Wünsche langfristig verwirklicht werden sollen.

Spannend findet sie sogenannte Money-Dates. Dahinter verbergern sich regelmäßige Gespräche über Finanzen. Viele Menschen sind mit der Vorstellung aufgewachsen, über Geld spreche man nicht. Entsprechend schwer fällt oft der Einstieg. Doch durch diese Gespräche entstehe mehr Transparenz, Vertrauen und Verständnis füreinander. Magdalena weiß, Geld ist immer auch mit persönlichen Erfahrungen, Werten und Zukunftsvorstellungen verbunden.

Wenn die Traumhochzeit zum Kraftakt wird

Dass Traumhochzeit und Hochzeitstrauma manchmal nur einen Schritt voneinander entfernt liegen, erlebt Anne regelmäßig. Sie erinnert sich an eine Braut, die die Hochzeitsplanung mit dem Öffnen der Büchse der Pandora verglich. Die Vielzahl an Möglichkeiten, Dienstleistern und Entscheidungen könne schnell überfordern. Dazu kommt die emotionale Aufladung bei vielen Planungsschritten. Werden dann Erwartungen enttäuscht, entstehen schnell Frust und Konflikte.

– Werbung – 

Jetzt bestellen! Wild Romance | Die PlusPerfekt Edition 2026/27 - Das Brautmagazin für Curvys und Plus Size Frauen
Jetzt bestellen! Wild Romance | Die PlusPerfekt Edition 2026/27 – Das Hochzeitsmagazin für Curvys und Plus Size Frauen

Loslassen statt organisieren

Hier setzt Annes Hochzeitscoaching an. Mit Übungen, Meditationen und praktischen Hilfsmitteln gibt sie Bräuten Werkzeuge an die Hand, die sich unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Es gilt Stress frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Ihr wichtigster Tipp für den Hochzeitstag klingt erstaunlich einfach. Plant nur das, worauf ihr wirklich Lust habt. Und am Hochzeitstag heißt es nicht kontrollieren, nicht organisieren, sondern erleben und genießen.

Von der Hochzeit bleibt ohnehin selten die perfekte Tischdeko oder der minutiöse Ablaufplan in Erinnerung. Es sind die gemeinsamen Momente, die zählen. Magdalena bedauert bis heute, dass sie von ihrer Hochzeit kein gemeinsames Foto mit ihren Eltern hat. Anne erinnert sich vor allem daran, wie sehr ihre Familie und Freunde sie und ihren Mann gefeiert haben. Rückblickend ist dieses Gefühl von Verbundenheit für sie unbezahlbar.

 

Buchtipp! Wer heiratet muss nicht zu allem Ja sagen
Buchtipp! Wer heiratet muss nicht zu allem Ja sagen

PlusPerfekter Buchtipp

„Wer heiratet, muss nicht zu allem Ja sagen“ von Magdalena Sporkmann und Anne Wolf verbindet persönliche Erfahrungen, Coaching-Impulse und finanzielle Aufklärung zu einem praxisnahen Ratgeber für alle, die heiraten möchten oder bereits verheiratet sind. Spannend ist der Blick auf die Themen, die in der Hochzeitsplanung oft zu kurz kommen, wie finanzielle Unabhängigkeit, rechtliche Folgen der Ehe, Selbstbestimmung und der Umgang mit Erwartungen von außen. Ein Ja zur Partnerschaft bedeutet nicht, die eigenen Bedürfnisse aufzugeben. Lesenswert für alle, die ihre Ehe auf Augenhöhe gestalten möchten.

Das Buch ist als Paperback mit Klappenbroschur im Penguin Verlag erschienen. Es hat 272 Seiten und kostet 18 Euro. Die ISBN lautet 978-3-328-11256-3.

Spannende Fakten rund um die Ehe

Es trauen sich immer weniger

Laut Statistischem Bundesamt* haben in Deutschland im Jahr 2024, einschließlich der gleichgeschlechtlichen Eheschließungen, 349.216 Paare geheiratet. Das ist der niedrigste Stand seit 1950. Betrachtet man die Werte im Verhältnis zur Gesamt­bevölkerung, gab es Anfang der 1950er-Jahre je 1.000 Einwohner rund zehn Eheschließungen. Fast 75 Jahre später sind es nur noch vier Trauungen je 1.000 Einwohner.

I will, but later

Zudem hat sich das typische Heiratsalter nach hinten verschoben. Anfang der 1970er-Jahre trauten sich Männer mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren vor die Standesbeamtin, den Standesbeamten. Frauen waren damals im Schnitt 23 Jahre alt. Im Jahr 2024 war das Heirats­alter bei Männern 35,3 Jahre und bei Frauen 32,9 Jahre. Spannend dabei ist, dass sich zwar das Alter bei der Eheschließung erhöht hat, das Altersabstand zwischen Frauen und Männern bei Eheschließungen im Schnitt jedoch annähernd konstant geblieben ist.

Ebenfalls interessant ist, dass im Jahr 2024 bei knapp 29 Prozent der Trauungen mindestens ein Partner schon mindestens einmal verheiratet war.

Unverhofft kommt ziemlich oft

Vermutlich denken bei der Hochzeit die wenigsten Paare an eine Scheidung. Doch im Jahr 2024 wurden immerhin 280 von 1 000 Ehen geschieden. In tatsächlichen Zahlen sind das 129.337 Scheidungen. Die durchschnittliche Dauer einer Ehe lag bei 14,7 Jahren und damit drei Jahre und zwei Monate höher als im Jahr 1990.

*) Die genannten Werte basieren auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.