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Warum viele beim „Grünen Knopf“ Rot sehen

Nachhaltigkeitssiegel hier, Öko-Siegel da. Wer weiß schon wirklich was sich dahinter verbirgt und wofür es gut ist. Was also tun? Man schafft ein Übersiegel, das mehr Vertrauen schaffen und für den richtigen Durchblick im Siegel-Dschungel sorgen soll. Ein globales Siegel mit staatlicher Überwachung soll es sein.

„Es kennzeichnet sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien, die von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen in Verkehr gebracht werden“,

heißt es auf der Website des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dank „Grünem Knopf“ soll nun den Konsumenten die textile Kaufentscheidung leichter fallen, damit sie guten Gewissens kaufen. Nachhaltige Textilien, versteht sich.

Und so präsentierte heute Bundesentwicklungsminister Müller in Berlin den „Grünen Knopf“. Ein Textilsiegel als Antwort auf die Unglücke mit hunderten Toten und Verletzten in asiatischen Textilfabriken. Doch das Meta-Siegel, das auf bereits bestehende Siegel aufbaut, ist nach wie vor umstritten. Während die einen es für überflüssig und seine Kriterien für kaum kontrollierbar halten, geht anderen die Initiative nicht weit genug. Auch die Menschenrechts- und Hilfsorganisation medico international übt gemeinsam mit pakistanischen Partnerorganisationen scharfe Kritik. Statt auf eine dringend nötige gesetzliche Reglung setze der „Grüne Knopf“ auf Freiwilligkeit und sei daher praktisch wirkungslos.

Für terre des hommes kann das neue Siegel nur sehr begrenzt aussagefähig sein, weil es lediglich die Konfektionierung, und damit die letzte Stufe der Lieferkette in den Blick nimmt. Für Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes, sind das Problem die oft ausbeuterischen Produktionsschritte davor: „Nämlich Kinderarbeit im Baumwollanbau, Sklaverei in Spinnereien oder Umweltverschmutzung durch aggressive Chemikalien beim Färben. Wie und wann der Grüne Knopf auch diese Produktionsstufen siegelt, ist unklar.“

Für Dr. Thomas Seibert – er ist Referent für Menschenrechte bei medico – betreibt Minister Müller „Schaufensterpolitik, statt endlich das Gesetz auf den Weg zu bringen, das sein eigenes Haus erarbeitet hat.“ Wie medico berichtet, sah der ursprüngliche Entwurf eines „Nachhaltigen Wertschöpfungskettengesetzes“ des BMZ vor, deutsche Unternehmen mit hohen Bußgeldern und dem Ausschluss von öffentlichen Aufträgen zu bestrafen, wenn sie bei ihren Auftragnehmern im globalen Süden nicht die Menschenrechte und die internationalen Arbeitsrechte einhalten.

Discounter mit „Grünen Knopf“

Während dessen melden sich die ersten Discounter in Sachen „Grüner Knopf“ zu Wort. So geben Aldi Nord und Aldi Süd heute bekannt, dass sie künftig Textilien mit dem Siegel kennzeichnen. Rewe und Penny sind voraussichtlich ab Mitte 2020 mit dabei. Insgesamt 27 Textilfirmen sollen es zum Start sein, einige befinden sich noch im Prüfprozess.

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Kriterien für den „Grünen Knopf“

Damit Textilien mit dem Siegel gekennzeichnet werden können, müssen sie 26 Mindeststandards erfüllen: Von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Die teilnehmenden Unternehmen sind verpflichtet, die Einhaltung ihrer Sorgfaltspflichten anhand von verschiedenen Kriterien nachzuweisen. Der Grüne Knopf verbindet damit als erstes staatliches Siegel die Anforderungen an das Produkt und an das Unternehmen. Mithilfe eines unabhängigen Beirats sollen die Kriterien stetig weiterentwickelt werden.

Überproduktion: Nein danke? 

Und während sich die Experten noch weiter streiten, inwieweit es sich bei diesem Siegel nur um Fairwashing handelt und inwieweit sich dadurch für die Näherinnen in Asien tatsächlich etwas an den Arbeitsbedingungen ändert etc., werden weiter Unmengen an Fast-Fashion für den Müll produziert. Textilien, die in den Läden hängen und in den Onlineshops lagern und wegen dem Überangebot erst gar nicht verkauft werden. Wie wäre es denn mal mit einem Fashion-Without-Waste-Siegel, Herr Müller?