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50 Jahre Wegschauen? Fast Fashion Gigant feiert Jubiläum

Noch nie waren Trends so günstig: Mit der Eröffnung von „Penneys“ am 13. Juni 1969 in Dublin, setzte der irische Modediscounter Primark einen ersten Meilenstein in der Fast-Fashion-Entwicklung.  Das Motto scheint zu lauten: Mehr Kollektionen, günstigere Preise. Hört sich für den Verbraucher gut an und bei Unternehmen wie Zara, H&M, Asos, Forever21, GAP und vielen mehr, klingelt fröhlich die Kasse. 

Billige Kleidung ist trendiger den je,
Trendige Kleidung ist billiger denn je.

Fast Food kennen wir alle. Aber Fast Fashion? Einerseits versteht man darunter das schnelle Kopieren von Modetrends. Andererseits ist es eine Unternehmensstrategie, die in möglichst kurzen zeitlichen Abständen neue Kollektionen in Geschäfte und Onlineshops bringt. Während es früher nur die Modezyklen Frühjahr-Sommer und Herbst-Winter gab, sind mittlerweile sechs bis acht neue Kollektionen innerhalb eines Jahres üblich. Viele Labels schaffen es sogar zwölf Kollektion pro Jahr auf den Markt zu bringen.

Pre-Spring, Spring, Pre-Summer, Summer, Pre-Fall, Fall, Pre-Winter, Winter …

Moderne Technik und Infrastrukturen machen den schnellen Modewechsel möglich. Ein Insider bestätigte uns, Zara könne innerhalb von fünf Tagen Bestseller nachliefern und sogar eine ganze Bekleidungslinie binnen sieben bis 30 Tagen zusammenstellen.

Auch Luxuslabel wie Louis Vuitton, Chanel etc. bedienen den Fast-Fashion-Trend. Zusatz-Kollektionen sollen helfen vom Kunden als trendig und wichtig wahrgenommen zu werden. Auch das gehört zur Strategie von Fast Fashion. Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, setzen Unternehmen im unteren bis mittleren Preissegment auf Werbung und Kooperationen mit angesagten Models, bekannten Designern und neuerdings auch auf Influencer.

Vorwürfe gegen die schwarzen Schafe der Modeindustrie gibt es viele. Alleine das Thema Kinderarbeit füllt Bände, doch eine clevere Marketingkampagne hier, ein sympathisches Event dort und schon scheint auch das wieder vergessen zu sein. Rohstoffe, die mit Pestiziden belastet sind, immenser Wasserverbrauch und der Einsatz von Chemikalien bei der Produktion, das Verbrennen von überschüssiger Ware … Fast Fashion schädigt Umwelt und Menschen, da sind sich Experten einig und selbst Vertriebsleute von namhaften Modefirmen sagen, so kann es nicht weiter gehen. Das Jubiläum von Primark war deshalb Anlass für die Christliche Initiative Romero e. V. (CIR) die Auswirkungen von Fast Fashion unter die Lupe zu nehmen. Untersucht wurden zehn Fabriken in Sri Lanka, davon fertigen sechs für Primark, sieben für C&A.

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Bittere Bilanz

Das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderte Dossier Fast Fashion kommt zu einer bitteren Bilanz: In keiner der untersuchten Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt. Die Löhne und das Maß an Überstunden sind teils illegal. Bis zu 80 Stunden die Woche arbeiteten die befragten Textilarbeiterinnen und -arbeiter regelmäßig in den sri-lankischen Fabriken. Maximal 45 reguläre und 12 Überstunden sind für Frauen in Ausnahmefällen erlaubt. Manche erhalten nicht einmal den Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro, dabei müsste ein die Existenz sichernder Lohn in Sri Lanka mindestens 296 Euro betragen, so die Asia Floor Wage Alliance.

Für Isabell Ullrich, Referentin für Kleidung bei der CIR, sind nicht nur die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pflicht. Für sie ist die Verantwortung der Fast Fashion Marken an diesen Zuständen nicht von der Hand zu weisen.

„Bei der Auswahl der Fabriken schauen Primark und Co. nur auf Preis, Zeit und vielleicht noch Qualität. Die ethischen Ziele, die sie sich groß auf die Fahnen schreiben, spielen beim Einkauf keine Rolle – ganz im Gegenteil.“

Durch deren Einkaufsverhalten entstehe eine kurzfristige und unstetige Auftragslage in den Fabriken sowie hoher Zeit- und Preisdruck. Dieser werde an die Arbeiterinnen und Arbeiter weitergegeben.

Die schnelllebigen Trends der Modeindustrie sind, laut Studie, für 35 Prozent des Mikroplastiks in den Ozeanen, den Ausstoß von etwa 1.500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten und 92 Millionen Tonnen Müll jährlich verantwortlich. Knapp die Hälfte aller Arbeiterinnen und Arbeiter in Textilproduktionen würden an arbeitsbedingten Krankheiten leiden.

Deutschlandweit: Aktionen am 13. und 15. Juni

Von Primark, C&A und allen weiteren Auftraggebern der untersuchten Fabriken in Sri Lanka fordert die CIR konkret, dafür zu sorgen, dass die Verstöße gegen Arbeitsrecht und Versammlungsfreiheit sofort eingestellt und existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Dafür werden sich Regionalgruppen der Kampagne für Saubere Kleidung am 13. und 15. Juni mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor vielen deutschen Primark-Filialen einsetzen.

Ohnmacht der Verbraucher?

2013 starben über 1.000 Menschen bei dem Einsturz einer Textilfabrik in Rana-Plaza. In Dhakar waren über hundert Fabrikarbeiter in einem brennenden Gebäude gefangen, einige fanden dort ihren Tod … Unternehmen haben die Verantwortung ihre Versorgungskette zu kontrollieren, um sicher zu gehen, dass ihre Zulieferer verantwortungsvolle Arbeitsbedingungen schaffen. Aber was können wir, was kann der Verbraucher tun? Wir können uns informieren und Marken meiden, deren Fertigungsprozesse nicht fair, deren verarbeitete Materialien nicht unbedenklich sind. Wir können uns Netzwerken anschließen, die Kleidung durch Flohmärkte – von High Fashion bis Vintage – ein zweites Leben geben. Wir können ein Bewusstsein schaffen, nachhaltige Mode fördern und so trotzdem den Spaß an Fashion erhalten. Aber Spaß, der nicht auf Kosten anderer geht.