Knusprige Kruste, weiches Inneres – und das mit deutlich weniger Kohlenhydraten: Low-Carb-Brote und -Brötchen finden zunehmend ihren Platz in Bäckereien und Supermarktregalen. Was früher als Verzicht galt, wird heute durch neue Rezepturen und Zutaten möglich. Anstelle von klassischem Mehl und Hefe kommen Eier, Nüsse, Samen oder Eiweißmischungen zum Einsatz.
– Schwarzbrot, Körnerbrot, Low-Carb, Glutenfrei: Deutsche lieben eine große Brotauswahl | Foto: Anh Tran via Unsplash –
Diese Varianten sprechen nicht nur Menschen an, die auf ihre Kohlenhydratzufuhr achten, sondern auch Personen mit bestimmten Ernährungsbedürfnissen, etwa bei Diabetes, Glutenunverträglichkeit oder im sportlichen Alltag. Der Trend zeigt, wie sich traditionelle Essgewohnheiten wandeln und wie vielfältig Brot inzwischen interpretiert werden kann. PlusPerfekt sprach dazu mit Matthias Hofmann von Panifactum. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra hat er sich auf die Herstellung glutenfreier Low-Carb-Produkte in Bio-Qualität spezialisiert.
Wandel im Brotkorb
Die Art, wie wir Brot genießen, hat sich über viele Jahre kaum verändert, weiß Matthias Hofmann. Das klassische Brötchen gehörte zum Alltag, egal ob zum Frühstück, als Snack oder zum Abendbrot. Doch gesellschaftliche Entwicklungen und wachsende Gesundheitsansprüche lässt einige Menschen dieses Lebensmittel hinterfragen.
Viele stellen fest, dass traditionelle Backwaren immer weniger in moderne Ernährungskonzepte passen. So rücken Themen wie Glutenunverträglichkeit, Diabetes oder der Wunsch nach Low Carb immer mehr in den Vordergrund. Neue Zutaten, innovative Bäckereien und ein kritischeres Bewusstsein für das, was wirklich im Brot steckt, stellen den Status quo und alte Gewohnheiten infrage.
Was passiert, wenn nicht reagiert wird?
„Wenn die Entwicklung von Low-Carb Produkten nicht weitergeführt wird, besteht das Risiko, dass es kaum passende Alternativen gibt – besonders für Menschen mit speziellen Bedürfnissen wie Diabetiker, Allergiker oder Sportler“, berichtet Matthias Hofmann. Das könne zu gesundheitlichen Problemen, einseitiger Ernährung oder dem Griff zu minderwertigen Ersatzprodukten mit vielen Zusatzstoffen führen.
Wer als Anbieter den Trend verschläft, verliert Kundengruppen, die zunehmend Wert auf gesunde, individuelle Produkte legen. Die Folge – so Hofmann – sind Umsatzrückgang, Imageverlust und ein Rückstand gegenüber Wettbewerbern, die schon jetzt auf innovative Rezepturen setzen.
Vom Experiment zur Überzeugung
Die Nachfrage nach „funktionalen“ Backwaren wie beispielsweise Low-Carb- oder glutenfreien Broten entstand nicht aus reiner Mode. Vielmehr haben veränderte Produktionsweisen und Zutaten in der konventionellen Backindustrie dafür gesorgt, dass viele Menschen Brot nicht mehr wie früher vertragen. „Der Trend hin zur schnellen Herstellung, kurze Teigruhezeiten und veränderte Mehlsorten führten dazu, dass Inhaltsstoffe wie Gluten oder Phytinsäure in hoher Konzentration erhalten bleiben“, informiert Hofmann. Das hat Folgen für den Darm und das Wohlbefinden.
Parallel nahmen Unverträglichkeiten oder der Wunsch nach bewusstem Genuss zu. Daher setzen einige Hersteller bereits gezielt auf Handwerksqualität, Innovation und Transparenz bei der Zutatenliste: glutenfreie, kohlenhydratarme und ballaststoffreiche Brote, die mehrere Ansprüche auf einmal erfüllen und das auf natürliche Weise.
So gelingt der Wandel auf dem Brotmarkt
Wer Brot genießen möchte, sollte ein paar einfache, aber wirkungsvolle Tipps beachten, um das richtige Produkt für die eigenen Bedürfnisse zu finden. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich. Handwerklich hergestellte Brote mit langer Teigruhe sind oft bekömmlicher und aromatischer. Auch die Zutatenliste verrät viel. Matthias Hofmann weiß: „Je kürzer, natürlicher und verständlicher, desto besser.“
Wichtig zu wissen ist auch, dass Glutenfrei nicht automatisch Weizenfrei bedeutet. Wer unter Unverträglichkeiten leidet, sollte gezielt nachfragen. Für alle, die auf Blutzucker, Sättigung und Verträglichkeit achten, können Low-Carb-Alternativen eine gute Wahl sein.
Gleichzeitig gilt: „Nicht jede industrielle Alternative hält, was sie verspricht. Viele setzen auf Zusätze und Backhilfsmittel, die eher Ersatz als Genuss sind.“ Hofmanns Tipp: Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich Brote finden, die nicht nur eine Notlösung sind, sondern den Alltag wirklich bereichern.

Matthias und Alexandra Hofmann sind die Gründer von Panifactum. Die Bäckerei hat sich auf die Herstellung glutenfreier Low-Carb-Produkte in Bio-Qualität spezialisiert. Matthias Hofmann ist gelernter Müller und Bäcker. Er war lange im Familienbetrieb und damit im traditionellen Bäckereigeschäft tätig. Mit Panifactum möchte er einen modernen und gesunden Weg gehen.
