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Curvy Surfer Girl Elizabeth Sneed | Credits: Elizabeth Sneed - Roalyver Lopez x Billabong

Rock The Wave: Wie Curvy Surfer Girl das Frauenbild im Surf-Sport neu prägt

In den 90er Jahren schufen die Medien und die Werbung das idealisierte Bild eines „Surfer Girls“. Schlank, braungebrannt, lange Haare und meist blond – so werden viele Surferinnen immer noch dargestellt. Auch jetzt, wo Frauen beim Surfen ihren eigenen Weg gehen und sich von Stereotypen lösen, scheint dieses Bild in den Köpfen der Menschen verankert zu sein und sie assoziieren nur einen bestimmten Typ Frau mit diesem Sport.

PlusPerfekt sprach mit Elizabeth Sneed. Die Plus-Size-Athletin lebt auf Hawaii, ist Curvy Surfer Girl auf Instagram (@curvysurfergirl) und entspricht weder dem Stereotype einer Surferin noch ist sie, wie man bei dem Namen vermuten könnte, eine One-Woman-Show. Elizabeth ist die Initiatorin und das Gesicht einer Bewegung für Körpervielfalt und Bodypositivity. Ihr Movement möchte das verstaubte Klischee der Surferin weltweit neu prägen und steht für moderne und vielfältige Sportlerinnen. Für Frauen aller Formen, Größen und Hintergründe, die die Liebe zum Surfen vereint und die ohne Vorurteile ihren Sport ausüben möchten.

Aloha Elizabeth, „schlank, braungebrannt & blond“ kommt dir dieses Vorurteil in die Quere, wenn es um das Surfen geht?

Elizabeth Sneed: In über dreißig Jahren ist dies das einzige Bild der weiblichen Surferin, das der Welt gezeigt wurde, mit ein paar Ausnahmen in den letzten Jahren in den sozialen Medien und einigen historischen Bildern von alten hawaiianischen Surfern.

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Ich persönlich habe, als ich mit dem Surfen anfing, akzeptiert, dass ich die Ausnahme von der Regel bin. In meinem Kopf fand ich mich damit ab, dass weder mein Körper noch meine Fähigkeiten in der Surf-Kultur traditionell akzeptiert wurden. Die größte Auswirkung, die das auf mich hatte war, dass ich mich allein und ausgeschlossen von dem Sport fühlte, den ich liebte.

Allerdings hatte ich als Anfängerin durch meine Surfschule und meine Surflehrer eine Community, die mich unterstützte, so dass es eher ein vorübergehender Gedanke als eine Identitätskrise war. Jetzt bin ich so glücklich und selbstbewusst wie jeder andere Surfer im Line Up und fühle mich dank meiner Online-Community mehr als je zuvor dazugehörig.

Du kommst nicht aus dem Surfer-Paradies Hawaii. Wie hast du deine Liebe zum Surfen entdeckt?

Elizabeth Sneed: Ich bin im ländlichen Nordosten von Texas geboren und aufgewachsen und habe später zehn Jahre in der Wüste von Arizona verbracht, wo ich die High School und das College absolvierte. Als Teenager, etwa 14 Jahre alt, hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich fast ertrunken wäre. Ich war mehrere Stunden lang im Golf von Mexiko auf dem Meer verschollen und wurde von einem Fischer gerettet.

Nachdem ich diesem traumatischen Ereignis nur knapp entkommen war, hatte ich schreckliche Angst vor dem Meer und ging viele Jahre lang an keinem Strand mehr als knöcheltief ins Wasser. Im Jahr 2012, in meinem zweiten Jahr am College, beschloss ich, eine Solo-Reise nach Hawaii zu machen. Während ich dort war, fühlte ich mich zum Ozean hingezogen. Ich beobachtete viele Surfer vom Ufer aus und beschloss schließlich, meine Angst zu überwinden, indem ich eine Surf-Stunde nahm.

Ich nahm die erste Surf-Stunde mit einigen der Beachboys von Waikiki und hatte den größten Spaß, den ich je in meinem ganzen Leben hatte. Von diesem Zeitpunkt an beschloss ich, dass ich Surfer werden und auf Hawaii leben möchte. Genau fünf Jahre später, im Mai 2017, habe ich genau das getan!

Wie lange surfst du schon? Hattest du einen Coach?

Elizabeth Sneed: Diesen August werden es vier Jahre. Ich habe viel mit meiner lokalen Surfschule Ohana Surf Project gearbeitet, um mit 26 Jahren das Surfen zu lernen. Ich habe 18 Monate lang jedes Wochenende Unterricht genommen und bin schließlich in das Locals-Only-Surfprogramm eingestiegen, bei dem ähnlich erfahrene Surfer miteinander gepaart werden und Anfänger-Unterricht erhalten.

Bis heute werde ich von meinen langjährigen Surflehrern des Ohana-Surf-Project angeleitet und betreut und sie helfen mir weiterhin, die beste Surferin zu werden, die ich werden kann!

Wie lange hat es gedauert, bis du deine ersten Surf-Erfolge hattest?

Elizabeth Sneed: Wenn du mit Surf-Erfolg meinst, dass ich meine erste Welle ohne Hilfe erwischt habe, dann war es mindestens ein Monat. Ich erinnere mich an häufige Zusammenbrüche am Strand mit Tränen in den Augen, weil ich nicht überzeugt war, dass ich das Zeug dazu hatte, selbst zu surfen. Mit der Zeit, Übung und Engagement konnte ich schließlich mit dem Surfen beginnen, ähnlich wie du es heute siehst.

Surfen ist ein Sport, der viel Engagement und Ausdauer erfordert und wirklich Zeit, um die unzähligen Details zu lernen, die es bei den besten Surfern leicht aussehen lassen.

Gibt es ein Gewichtslimit beim Surfen?

Elizabeth Sneed: Die einzigen Grenzen beim Surfen sind die Grenzen, die man sich selbst setzt. Jimbo Pellegrine war einer der besten XXL-Surfer, die die Welt je gesehen hat und ritt die Wellen oft auf einem Shortboard. Es gibt keinen Grund, warum Mann oder Frau, oder jeder andere Surfer nicht das Gleiche erreichen könnte.

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Muss ich etwas beachten, wenn ich als Plus-Size-Frau surfen will?

Elizabeth Sneed: Meiner Erfahrung nach, nein. Ich denke, es gibt Dinge, die Curvys besonders als Anfängerin helfen, wie z. B. ein größeres Brett,  um das eigene Gewicht und das Paddeln besser zu unterstützen, sowie Unterricht bei einem guten Surflehrer zu nehmen.

Oft denke ich, das Wichtigste für Surfer mit Übergröße ist, mit der richtigen Einstellung und den richtigen Erwartungen zu kommen. Surfen ist eine der schwierigsten Sportarten, die man betreiben kann. Konzentriere dich also darauf Spaß zu haben, und nicht darauf, wie du für andere aussehen oder wie gut du abschneiden willst. Das wird dir helfen, dich zu entspannen und die Erfahrung zu genießen, während du in deine Surfreise hinein wächst.

Gibt es viele Curvy oder Plus Size Surferinnen?

Elizabeth Sneed: Im letzten Jahr habe ich eine deutliche Zunahme von Frauen verschiedener Größen und Fähigkeiten in meinem lokalen Line Up und auch online gesehen. Ich denke, dass es mehr sind, als ich annahm, bevor ich mit Curvy Surfer Girl (CSG) anfing. Und diese Demographie von Frauen und Männern wird nur dann weiter wachsen, wenn sie mehr in der Öffentlichkeit zu sehen sind.

Ist die Surfer-Szene Diversity freundlich?

Elizabeth Sneed: Ja, ich glaube schon, aber es ist auch wichtig, sicher zu sein und zu Stränden mit anfängerfreundlichen Wellen zu gehen bis man sein Können verbessert hat, um auch Wellen für Fortgeschrittenere zu surfen. Dabei beziehe ich mich auf Hawaii, in anderen Teilen der Welt könnte es anders sein. Aber insgesamt denke ich, dass die meisten Surf-Urgesteine unvoreingenommen sind.

Wie gehst du mit Kritikern um?

Elizabeth Sneed: Das ist nie einfach. Ich verstehe, dass meine Botschaft nicht bei allen Menschen ankommt. Egal, ob ich sie persönlich oder digital kenne. Ich musste einfach akzeptieren, dass nicht jeder mich mögen oder verstehen wird. Und das sind dann halt nicht meine Leute. Jeder, der unhöflich oder respektlos ist, wird von mir blockiert!

Wie verändert das Surfen den eigenen Körper und Geist?

Elizabeth Sneed: Surfen ist etwas Persönliches. Für manche Menschen, wie mich, kann man es als eine spirituelle Erfahrung beschreiben.

Ich fühle mich oft völlig befreit. Ich lerne viele Lektionen über das Leben durch die Wellen und den Ozean und es ist auch eine Quelle, durch die ich mich mit der Erde verbunden fühle.

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Für andere ist es ein Sport und eine angenehme Freizeitbeschäftigung, die sie zum Stressabbau oder als Übung nutzen. Letztendlich ist Surfen das, was man daraus macht. Es gehört ganz allein einem selbst.

Es ist schwer anzufangen? Wie hast du dich an den Tagen motiviert, an denen es mit dem Surfen einfach nicht geklappt hat?

Elizabeth Sneed: Surfen ist anfangs für jeden eine ziemliche Herausforderung. Der Sport erfordert viel Zeit und Hingabe, um sich weiter zu entwickeln und zu verbessern. Bei anderen Sportarten sieht man eine deutliche Verbesserung innerhalb von ein bis drei Jahren. Beim Surfen kann die Anfangs- bis Zwischenphase viel länger dauern, weil es schwierig ist und viel Zeit braucht, um die verschiedenen Aspekte des Surfens zu lernen. Wie z. B. die Auswahl der Wellen, die Körpermechanik, die Wellenmuster, die Drehungen und Manöver usw. usw.

Als Anfänger ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, sich darauf zu konzentrieren, Spaß zu haben und die kleinen Siege zu feiern, um das Surfens zu genießen und sich nicht entmutigen zu lassen.

Was ist deine typische Trainingsroutine?

Elizabeth Sneed: Meine Trainingsroutine besteht darin zwei- bis dreimal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen und drei- bis fünfmal pro Woche zu surfen. Ich habe eine Autoimmunerkrankung, die während den Schüben schmerzhaft sein kann, also versuche ich, mich während dieser Perioden etwas mehr auszuruhen. Ansonsten bin ich in der Regel zwischen zwei und vier Stunden am Tag auf dem Surfbrett.

Welche Rolle spielt für dich Selbstliebe?

Elizabeth Sneed: Selbstliebe ist wichtig im Leben. Es ist etwas, mit dem ich seit meiner Jugend zu kämpfen habe. Aber wie bei vielen Dingen im Leben ist es eine Reise dahin und unterstützende Freunde, die Gemeinschaft und die Medien spielen eine große Rolle bei der Entwicklung von Selbstliebe.

Welchen Rat würdest du einem Anfänger|in geben, der noch keinen Kontakt mit dem Sport hatte, ihn aber gerne ausprobieren möchte?

Elizabeth Sneed: Mein bester Rat ist, einen Surflehrer zu engagieren und mit dem Unterricht zu beginnen. So macht man die besten Erfahrungen und lernt die Grundlagen des Surfens in einer sicheren Umgebung.

Gibt es einen Ratschlag zum Surfen, den du gerne früher gewusst hättest?

Elizabeth Sneed: Ich wünschte, ich wäre in den ersten Jahren, in denen ich mit dem Surfen angefangen habe, gnädiger mit mir selbst gewesen. Ich habe mich viel mit anderen Surfern verglichen und fühlte mich oft unsicher. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich sagen, ich sollte diese Ängste und Bedenken einfach loslassen und mich darauf konzentrieren, jede Welle in vollen Zügen zu genießen.

 

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