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Wie ist es „Mister Big“ zu sein? Männermodel Michael Schneider im Interview

Curvy Model Michael Schneider I Model I Credits: Lolle Stern

Beim Modeln schaut er meist souverän, lässig und ernst. Dabei hat er privat fast immer ein Lächeln auf den Lippen. Zieht einen mit seiner positiven Ausstrahlung in den Bann. Zu sich selbst stehen, genau so wie man ist. Das ist für ihn wichtig.

Michael Schneider ist eines der wenigen Plus Size Male Models in Deutschland. Und amtierender Mister Big. Im September letzten Jahres wurde er in Mönchengladbach zum „Mister Big – Male Model by Fräulein Kurvig“ gewählt.

Michael, wie kamst du zum Modeln?

Michael Schneider: Im Alter von 17 Jahren wurde ich von einem Freund angesprochen, ob ich nicht Lust hätte für eine Modenschau in meiner Heimat zu modeln. Der Freund organisierte damals die alljährliche Modenschau unseres Stadtfestes. Ich hab dann einfach mal „ja“ gesagt. Das hat mir soviel Spaß gebracht, dass ich irgendwie dabei geblieben bin.

2015 habe ich dann einen Aufruf bei Facebook gesehen, dass Ulla Popken den Mister Plus Size Germany sucht. Daraufhin hab ich mich da beworben. Ich bin unter die besten fünf Männer gekommen und wurde zum Finale nach Hamburg eingeladen.

Durch diese Teilnahme an der Wahl nahm mein Weg als Plus Size Model seinen Lauf.

Du hast im letzten Jahr an der Wahl zum „Mister Big“ teilgenommen und gewonnen. Was war das für ein Gefühl?

Michael Schneider: Die Wahl zum Mister Big war für mich ein einmaliges Erlebnis und ich habe mich sehr über den Titelgewinn gefreut. Ich konnte es gar nicht fassen, als die Jury meinen Namen aufrief.

Hat sich dein Leben als Mister Big verändert?

Michael Schneider: Schon irgendwie. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und bin selbstbewusster als Model geworden.

Verspürst du durch diesen Titel einen Erfolgsdruck?

Michael Schneider: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin gelassener geworden, da ich meine Stärken erkannt habe und mir immer treu geblieben bin. An der Wahl habe ich hauptsächlich aus Spaß teilgenommen. Mit Druck funktioniert das Modeln auch gar nicht, da es um Selbstliebe und ein leichtes Lebensgefühl beim Modeln geht.

Was liegt dir mehr? Fotoshootings oder der Catwalk?

Michael Schneider: Die Mischung machts 😉 Ich kenn meine Stärken beim Shooting und durch meine Erfahrung aus dem Tanz habe ich auch viel Spaß auf dem Laufsteg. Körperhaltung und Körpergefühl ist bei beiden Disziplin wichtig und kann so unterschiedlich eingesetzt werden.

Du wurdest auch als Schauspieler gebucht. Wäre das längerfristig etwas für dich oder ziehst du das Modeln vor?

Michael Schneider: (Lacht) Die Arbeit vor der Kamera fasziniert mich sehr und bringt mir ebenfalls großen Spaß. Ich möchte und muss mich glücklicherweise gar nicht entscheiden, was ich nun besser finde. Ich kann nur so viel verraten, dass noch zwei Eisen im Feuer liegen. Seid gespannt!

Gibt es Solidarität unter den Plus Size Männermodels oder herrscht hier eher Konkurrenzdruck?

Michael Schneider: Die Plus Size Männer Models aus Deutschland sind ja quasi an einer Hand abzuzählen. Wenn ich zum Beispiel an die Plus Size Fashion Days zurück denke, wo ich 2016 gelaufen bin, waren wir Männer so verschieden. Da waren die jüngeren sportlichen Franzosen oder Claus mit seinen Tattoos und Piercings – alles ganz unterschiedliche Typen. Wir ergänzen uns da vielmehr und helfen uns gegenseitig.

Gibt es einen Designer oder ein Label für das du gerne arbeiten würdest?

Michael Schneider: Wünsche habe ich viele und ich bin der Erste, der bei den großen Brands dabei wäre, wenn diese coole Sachen in Plus Size Größen schneidern würden. Ganz oben steht bei mir eine Zusammenarbeit mit Guido Maria Kretschmer, der sich unbedingt mal an eine Plus Size Männerkollektion wagen sollte.

Modeln kann sehr anstrengend sein. Wie hältst du dich fit für deinen Beruf?

Michael Schneider: Ich gehe gerne wandern oder schwimmen. Da ich aber in meinem Alltag viel zu Fuß gehe, habe ich schon eine gute Grundfitness, sodass ich das Modeln nicht als anstrengend ansehe. Dafür macht es mir auch einfach zu viel Spaß.

Das Mode-Business wird gerne als oberflächlich und kurzlebig bezeichnet. Wie geht es dir damit?

Michael Schneider: Ich empfinde das überhaupt nicht so und habe das auch keineswegs innerhalb der Plus Size Szene kennengelernt. Wir sind alle sehr herzlich miteinander und die meisten sehen wie ich einfach den Spaß und die Leidenschaft bei der ganzen Sache.

Wo siehst du dich in Zukunft?

Michael Schneider: Meine Zukunft lasse ich am besten auf mich zukommen, dann ist die Überraschung größer.

 

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