Lebensart

Frauenpower in echten Männerdomänen

Maurermeisterin Marina Kugler I obx-news I Handwerkskammer

„Who run the world? – Girls!“ Beyoncé besingt in ihrem Song „Run the World“ alle Frauen, um sie in ihrer Stärke zu ermutigen und um klarzustellen, wer auf der Welt wirklich das Sagen hat. Das Lied überträgt eine energische Botschaft und es steht Pate für Beyoncés eigene Karriere. Sie spricht damit aber auch jede einzelne Frau an, die unabhängig ist und für sich Respekt einfordert. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie aus dem Musikbusiness kommt oder nicht. Frauenpower ist nichts mehr, wofür man kämpfen muss. Sie ist Realität und wird von vielen Beispielen verkörpert.

Und doch lassen sich so manche Klischees nicht vermeiden. Es gibt Bereiche, in denen Männer angeblich besser sein sollen als Frauen. Natürlich spielen biologische und evolutionstheoretische Ansätze eine Rolle, doch Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und von diesen Ausnahmen gibt es eine ganze Menge. Sie belegen, dass es bei vielen Tätigkeiten keine Geschlechtertrennung geben sollte. Das gilt natürlich auch in die andere Richtung. Also Männer in vermeintlichen Frauendomänen.

Ms. magazine, Ms. magazine Cover - Spring 2013, CC BY-SA 4.0
Ms. magazine https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ms._magazine_Cover_-_Spring_2013.jpg „Ms. magazine Cover – Spring 2013“ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Beyoncé ist ein Ausnahmebeispiel aus der Musikszene. Die Sängerin entdeckte ihre Liebe zur Musik schon früh. Sie trat bei Musikwettbewerben auf. War Mitglied im Chor. Mit Freundinnen gründete sie eine Gesangsgruppe. 1996 unterschrieb sie mit ihrer Band beim Musiklabel Columbia Records und veröffentlichte insgesamt vier Alben. Auch Beyoncés Schwester Solange konnte von diesem Genpool profitieren. Sie ist ebenfalls eine erfolgreiche Sängerin.

Beyoncé wäre nicht Beyoncé, wenn diese Geschichte hier ein Ende nehmen würde. Nachdem die Gruppe sich 2001 einvernehmlich trennte, startete sie eine Solokarriere. Sechs Alben, ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde aufgrund der Verkaufszahlen ihrer fünften Platte. Zahlreiche Grammys. Mehr Top Ten Platzierungen zwischen 2001 und 2010 in den Billboard Hot 100 als jede andere Künstlerin. Filmauftritte, ehrenamtliches Engagement – vor allem für Frauen. 2014 war sie die bestbezahlte Frau im Musikgeschäft und ist nebenher eine der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten. Ok. In der Musikwelt kann man nicht von einer typischen Männerdomäne sprechen, aber es ist doch so, dass eher das „starke Geschlecht“ in Form von Produzenten und Managern das Sagen hat. Beyoncé behauptet sich seit Jahrzenten. Sie erfindet sich immer wieder neu. Verkörpert eine starke, unabhängige Frau, die nicht von einem Mann abhängig ist – auch wenn sie mit der Musik-Größe Jay-Z verheiratet ist.

Marina Kugler
Marina Kugler I Maurermeisterin

Eine starke Frau am Bau ist die junge Maurermeisterin Marina Kugler aus Ostbayern. Sie absolvierte im aktuellen Jahrgang als einzige weibliche Teilnehmerin den Maurer-Meisterkurs der Regensburger Handwerkskammer. Als Frau ist sie in ihrem Fach eine wahre Seltenheit: Die 26-jährige Marina Kugler verlegt gerne Estrich. Seit frühester Kindheit ist sie auf Baustellen unterwegs. Als einzige Frau unter über 30 Teilnehmern bestand sie ihre Prüfung als Maurermeisterin. Eine starke Frau am Bau? Geht das überhaupt? Oft wird sie mit diesem Klischee konfrontiert. Sie ist angetreten, das zu beweisen. Und sie will auch andere Frauen motivieren, in einen Männerberuf einzusteigen. Viele Frauen befürchten, dass es schwierig sei, fast nur männliche Kollegen zu haben. Dabei sei das ein richtig harmonisches Arbeiten, erzählt die Jungmeisterin. „Wenn man Engagement, Leidenschaft und die nötige Durchsetzungskraft mitbringt, steht einem nichts im Weg.“

Marina wurde das „Bau-Gen“ durch den elterlichen Betrieb bereits in die Wiege gelegt. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel entschied sie sich ihrer Leidenschaft zu folgen. Gemeinsam mit ihrem Bruder Matthias wird sie einmal den elterlichen Betrieb übernehmen. Dabei ist ihr die Entscheidung Maurerin zu werden nicht gefallen, erinnert sich die 26-Jährige. Während die Familie sie unterstützt habe, waren viele Freunde überrascht, fragten „Willst du dir das wirklich antun?“ Doch bereut hat sie ihre Entscheidung nicht. Es gefällt ihr, dass sie am Abend sieht, was sie alles geleistet hat. Übrigens! Der Frauenanteil im deutschen Maurergewerbe liegt bei unter einem Prozent.

Liv Boeree
Liv Boeree, 2015 I Web Summit https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Liv_Boeree_2015.jpg https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Die nächste Dame wird „Iron Maiden“ genannt. Die erste Assoziation mit diesem Namen führt wahrscheinlich in die falsche Richtung, denn Olivia „Liv“ Boeree ist neben ihren vielen anderen Spezialisierungen als Model und Fernsehmoderatorin tätig. Sie interessiert sich ansonsten für Sport, Heavy Metal und hat zwei besondere Leidenschaften: Astrophysik und Poker – zwei absolute Männerdomänen. Da sie das Universum schon immer faszinierte, studierte sie Astrophysik an der University of Manchester. Dort musste sie sich gegenüber vielen männlichen Kollegen behaupten.

Nach ihrem Abschluss zog die Akademikerin nach London, wo sie unter anderem modelte. Als das Geld knapp wurde, bewarb sie sich bei einer Gameshow und wurde dort erstmals mit Poker konfrontiert. Nach eigener Aussage verliebte sie sich in die Sportart und spielte danach regelmäßig. Sie wurde eingeladen die World Series of Poker in Las Vegas als Moderatorin zu begleiten. Bereits seit 2007 spielt sie selbst in Turnieren, im Jahre 2014 und im Folgejahr erhielt sie die Auszeichnung als beste weibliche Pokerspielerin bei den European Poker Awards verliehen. Das höchste Preisgeld, das sie erspielt hat, betrug etwas mehr als anderthalb Millionen Dollar. Insgesamt konnte sie bereits mehr als drei Millionen Dollar an Preisgeldern kassieren. Doch sie ruht sich auf diesem Erfolg nicht aus. Zusammen mit ihrem Partner Igor Kurganov und dem gemeinsamen Freund Philipp Gruissem hat sie das gemeinnützige Projekt „Raising for Effective Giving“ (REG) ins Leben gerufen, welches besonders faire Charity-Organisationen unterstützt. Sie sammelt dabei nicht nur Gelder von anderen ein, sondern spendet auch Teile ihrer eigenen Preisgelder.

Anna Wintour
Giorgio Montersino from Milan, Italy; cropped and color-corrected prior to upload by Daniel Case https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anna_Wintour_on_cell_phone_2013.jpg, „Anna Wintour on cell phone 2013“ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode

Die Beschreibung der nächsten Person trifft eher auf die Charakterisierung eines bösen Chefs. Mindestens einmal im Leben trifft jeder auf einen Vorgesetzten, der einem das Leben zur Hölle macht. In der Vorstellung ist diese Person gefühllos, kalt und hart – typisch männliche Merkmale. Der Hollywood Film „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep in der Hauptrolle, treibt dieses Bild auf die Spitze. Dabei handelt sich bei dieser Rolle um eine Frau, die sich an die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue Anna Wintour anlehnt.

Um Anna Wintour ranken sich viele Legenden. Man sagt, sie ist die einflussreichste Frau der Modebranche. Und auch wenn Mode oft als Frauensache abgetan wird, so gibt es genug männliche Modemacher in der Fashionwelt, die Trends aktiv mitgestalten. Allerdings hat Ms. Wintour oft das letzte Wort. Ihre Leidenschaft galt schon früh der Modewelt. Sie absolvierte eine Ausbildung bei Harrods und arbeitete ab 1970 als Journalistin für die Branche. Seit 1988 ist sie Chefredakteurin der US Vogue und legte den Fokus vollständig auf Fashion. Darüber hinaus wurden die Magazine „Vogue Living“ und „Men´s Vogue“ unter ihrer Leitung herausgegeben. Die Modezeitschrift profitiert seit vielen Jahren unter der Führung von Anna Wintour, die aus diesem Grund zum „Editor of the Year“ erklärt wurde. Sie beeinflusst Mode-Entwicklungen und formt die Fashion-Branche zu einem beträchtlichen Grad. Dabei gilt Anna Wintour als überaus streng und konsequent, doch vielleicht machen gerade diese Eigenschaften ihren Erfolg aus.

Man könnte meinen Susanne Hanna Ursula Klatten ist das absolute Gegenteil von ihrer Vorgängerin. Die Bad Homburgerin absolvierte erst eine Ausbildung zur Werbekauffrau und studierte im Anschluss Betriebswirtschaftslehre in England. Nach Praktika bei der Deutschen Bank AG und BMW folgte der Masterabschluss im Bereich Management.

Susanne Klatten verdankt ihr Vermögen einer Erbschaft. Darunter finden sich auch Anteile an BMW. Trotz dieser Tatsache ließ sie es sich nicht nehmen unter einem Pseudonym ihr Praktikum beim populären Autobauer zu absolvieren. Sie wollte nicht bevorteilt werden. Wie auch Anna Wintour zeichnet Susanne vor allem Zielstrebigkeit aus, sie ruhte sich nie auf ihrem Vermögen aus. Die Unternehmerin war Aufsichtsrätin der Altana AG, ist Teilhaberin und Aufsichtsrätin von BMW und an weiteren Unternehmen beteiligt. Darüber hinaus ist sie Ehrensenatorin der Technischen Universität München und Mitglied im Ehrenrat sowie Förderin des Susanne-Klatten-Stiftungslehrstuhls. Ihr wurde das Bundesverdienstkreuz und der Bayerische Verdienstorden verliehen. Susanne Klatten ist seit einigen Jahren die reichste Frau Deutschlands.

Dieses breite Spektrum von Unterhaltungsbranche über Handwerk, Mode und Naturwissenschaften bis hin in die Wirtschaft zeigt, dass Frauen sich in Männerdomänen beweisen können. Sie arbeiten in für sie untypischen Branchen oder Positionen, beweisen Fähigkeiten, die oft ausschließlich Männern zugesprochen werden und sind damit unglaublich erfolgreich. Was diese Frauen ausmacht, ist die Leidenschaft für eine Sache und Zielstrebigkeit. Öffnet man die Augen für solche Frauen, macht der Titel „Who run the World? Girls!“ umso mehr Sinn.

 

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