Curvy Schaufensterpuppe | Nike Flagshipstore in London | Credits: Nike PR

Nike lässt die Puppen tanzen: From Size Zero to Plus Size Hero

Es hatte doch eigentlich so positiv begonnen …

Nike hat bereits seit einiger Zeit eine Plus-Size-Sport-Kollektion. Im Londoner Flagshipstore wurde jetzt dazu eine Plus Size „Abteilung“ eröffnet. Und wie das auf diesen „Flächen“ üblich ist, steht da eine Schaufensterpuppe, die einen Sport-BH und -Leggings der Kollektion präsentiert. Und da es sich um eine Plus Size Abteilung handelt, trägt diese Sportklamotten – oh Wunder – eine Schaufensterpuppe jenseits von Size Zero. Eine authentische Warenpräsentation, wie sie sich viele Plus Size Frauen schon lange wünschen. Soweit so gut!

Skandal im Flagshipstore?

Doch was gut gemeint oder auch vielleicht nur eine gut ausgeklügelte Marketingkampagne ist, eskaliert sehr schnell als die britische Journalistin Tanya Gold für den „Telegraph“ darüber berichtet. Nike würde mit der Schaufensterpuppe Fettleibigkeit bewerben ist nur eine ihrer Aussagen. Diskussionen über Körperbilder, die in der Werbung gezeigt werden dürfen, werden losgetreten, von Verherrlichung von ungesundem Übergewicht ist die Rede. Von dicken Frauen, die sowieso keinen Sport treiben, weshalb brauchen die denn Sportswear …

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Tanya Gold spricht aus, was viele denken?

Ach wie ist es doch so einfach:

Schublade auf. Klischee rausholen.
Schublade zu.

Ich vermute, es war die unterste Schublade.

Und, das sei an dieser Stelle gesagt, es gibt so viele Klischees und Vorurteile. Nur „dank“ unserer subjektiven Wahrnehmung fühlen wir uns immer nur dann so richtig angefixt, wenn eine unserer eigenen, vermeintlichen Schwachstellen betroffen ist. Bei mir das Gewicht, bei dir die Hautfarbe, die Falten, der flache Po, der kleine Busen oder das dünne Haar … Und da sind wir „nur“ bei Äußerlichkeiten. Wie ist es mit Vergesslichkeit, Stottern, Lispeln, Lernschwäche …

Body-Positivity und Diversity sind aktuell, wie nie zuvor. Werte, die doch eigentlich über das Wort „Toleranz“ abgedeckt sein sollten. Und lernt man Toleranz nicht schon im Elternhaus? Doch es bringt Aufmerksamkeit, wenn man sich diese Themen zu eigen macht. Im positiven wie im negativen Sinne. Denken wir nur an Barbara Schöneberger, die vor ein paar Monaten durch ihr Fat-Suit-Cover und ihre Bemerkung über Dicke in einem Instagram-Video die Gemüter erhitzt und dabei (ganz nebenbei) den Bekanntheitsgrad der Zeitschrift „Barbara“ noch gesteigert hat. Oder die Gillette-Kampagne mit Anna O´Brien. Und ja, gute Idee dieses „Ich bin richtig so“. Aber will man mir mit diesem Slogan etwas Gutes tun, oder mir mit diesem positiven Gefühl doch nur etwas verkaufen? Ganz im Sinne von „Ich will so bleiben wie ich bin. Du darfst“. Wer weiß heutzutage denn noch, ob es sich bei den Aktionen um eine ausgeklügelte Kampagne handelt, die quasi kostenlos wie ein Lauffeuer durch die Sozialen Medien geht oder tatsächlich um einen Fauxpas, der im nach hinein bedauert wird? Und was ist noch eine ehrliche Meinung und was eine bezahlte? Wie war das noch: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“ Das war für meinen Vater die Erklärung für vieles. Als Kind hab ich das nie verstanden. Heute schon.

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Bewegt man sich in der Plus Size Community, sei es in den Sozialen Medien oder bei Veranstaltungen, dann entsteht schnell der Eindruck, dass sich in den Köpfen der Menschen einiges bewegt und verbessert hat und ich würde das auch nur zu gerne glauben. Aber im Alltag, in Bezug auf den Mainstream, da halte ich es wie Silvia Follmann von Edition F:

„Dicksein wird weiter stigmatisiert. Und sich zu sagen, die Body Positivity-Bewegung hätte doch längst erreicht, dass Dicksein in unserer Gesellschaft als Normalität wahrgenommen wird, die es nicht mehr zu kommentieren gilt, ist noch viel riskanter. Denn das verschleiert, wie sehr dicke Menschen natürlich noch immer mit abfälligen Kommentaren überladen werden, wie sehr sie darunter leiden müssen. Mit dem schönen Gedanken an Body-Positivity kann man das ausblenden, ist doch alles erledigt, macht euch keinen Kopf. Joah, ist es halt nicht. Noch lange nicht.“

Eigentlich neige ich ja dazu alles ein wenig zu relativieren. Dinge ein bisschen besser zu reden als sie sind. In der Hoffnung, dass ich zu schwarz sehe und weil ich keine zu negativen Gedanken hinterlassen will. Heute nicht. Keine Lust!