Wer hätte das gedacht? Die neue Ausstellung der MET setzt auf reale Körper

Mode zeigt nicht nur Kleidung, sondern immer auch Körper. Welche Körper dabei sichtbar sind und welche nicht, das sagt viel aus über die Zeit, den Geschmack und die gerade vorherrschenden gesellschaftlichen Normen. Die Ausstellung „Costume Art“ am Metropolitan Museum of Art rückt genau diese Frage ins Zentrum.

Die Frühjahrs-Ausstellung „Costume Art“ widmet sich bekleideten Körpern über verschiedene Epochen hinweg. Kleidung wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung zu Kunstwerken aus der Sammlung. Es entsteht ein neuer Blick, der Körper selbst als Ausgangspunkt nimmt und die Art, wie sie dargestellt wurden. Neu ist der Fokus auf die Körper, die lange Zeit in traditionellen Ausstellungen nicht sichtbar waren.

Neue Mannequins, mehr Diversität

„Costume Art“ setzt auf Perspektiven jenseits klassischer und vermeintlicher Idealbilder. Es wird deutlich sichtbar, welche Bodytypes in diesen Darstellungen stattfinden und welche lange nicht vorkamen. Dafür wurden 25 Schaufensterpuppen auf Basis realer Körper und gelebten Erfahrungen entwickelt. Ein Ansatz, der die Darstellung von Mode neu denkt, wie Kurator Andrew Bolton gegenüber The New York Times erläutert. Ein Schritt hin zu mehr Diversität in der Präsentation von Mode, der dabei unterstützt Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

Dass die neuen Schaufensterpuppen auf realen Vorbildern basieren, berichtet Jocelyn Noveck von APNews Ende April. Dazu zählen unter anderem Sinéad Burke, die mit Kleinwuchs lebt, Aimee Mullins, die Prothesen trägt sowie Aariana Rose Philip, die einen Rollstuhl nutzt.

Was nach der Ausstellung bleibt

Interessant wird sein, was nach der Ausstellung bleibt. Denn in der Regel werden die Figuren nicht eingelagert. Wie Associated Press via Instagram informiert, gehen die Puppen nach Ende der Ausstellung in die Sammlung des Museums über. Damit verschiebt sich nicht nur die Perspektive innerhalb dieser Ausstellung, sondern auch die Basis für künftige Präsentationen. Wir sind gespannt, ob das tatsächlich Teil eines neuen Standards sein wird und nicht nur als Ausnahme gedacht ist.

Lizzo bei der MET-Gala | Foto-Credit: Getty Images
Pearls & Curls: Lizzo bei der Met Gala | Foto-Credit: Getty Images

Mehr Platz für Mode

„Costume Art“ ist vom 10. Mai 2026 bis zum 10. Januar 2027 im Metropolitan Museum of Art zu sehen. Es ist die erste Ausstellung in den neuen, rund 1.100 Quadratmeter großen Galerien in unmittelbarer Nähe zur Great Hall. Der Bereich wird künftig die jährliche Frühjahrs-Ausstellung des Costume Institute sowie ausgewählte Projekte anderer kuratorischer Abteilungen beherbergen. Insbesondere solche, die die Schnittstelle von Mode und Kunst beleuchten.

MET-Gala als Finanzierungsquelle

„Superfine: Tailoring Black Style“ lautete 2025 das Motto der MET-Gala und rückte erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten Herrenmode in den Fokus. Ein Ticket soll rund 75.000 US-Dollar gekostet haben. In den meisten Fällen übernehmen Modehäuser oder Sponsoren diese Summe. Die Gäste selbst zahlen selten.

Die Gala ist weit mehr als ein gesellschaftliches Highlight. Da das Costume Institute keine reguläre Finanzierung aus dem Museumsbudget erhält, gilt sie als zentrale Einnahmequelle für Ausstellungen, Ankäufe sowie den laufenden Betrieb.

Wenn du jetzt Lust auf einen Gala-Besuch bekommen hast, müssen wir dich leider enttäuschen, außer du kennst die Kuratorin höchst persönlich. Die Tickets sind nicht frei verkäuflich. Die Gästeliste gilt als streng kuratiert. Zusammengestellt wird sie von Anna Wintour, die bis 2025 Chefredakteurin der amerikanischen Vogue war.

– Foto: Manzano via Pexels –