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Curvy Supermodel: Angelina Kirsch über Körperrevolution, gut gemeinte Kritik und Bosheit!

Credits: RTL II

Sie gibt nicht nur auf dem Runway und als Jurymitglied den Ton an. Angelina Kirsch spielt Klavier, Tuba und Posaune! Entdeckt wurde sie während eines Urlaubs in Rom. Für Angelina begann ihre Model-Karriere wie im Märchen und läuft, so hat sie das Gefühl, bis heute weiter so.

Plus Size beginnt für die Modeindustrie bereits bei Konfektionsgröße 40. Bei deiner Körpergröße ist das nicht Plus Size sondern schlank. Hast du dich vor deiner Karriere überhaupt als Plus Size wahrgenommen?

Angelina Kirsch: Ich nehme mich generell nicht als „Plus Size“ Frau wahr. Weder vor noch während meiner Karriere als Model. Ich finde dieses Label für Models jenseits der Größe 36 auch äußerst ungeschickt gewählt. Wenn ich einer Frau erzähle, dass ich ein Plus Size Model bin, dann sehe ich sofort in ihren Augen die Unsicherheit und die Selbstzweifel, gefolgt von ihrem Kommentar: „Wenn du Plus Size bist, was bin denn dann ich?“ Denn egal, ob sie schlanker oder kurviger ist, als ich, wenn sie eine „normale“ Figur hat, bezieht sie dieses Label sofort auf sich. Das kann doch jede Frau nur verunsichern. Überhaupt finde ich es schade, dass die dünnen Models als „normal“ bezeichnet werden und alles andere auf dem Markt im Prinzip als „zu viel“. Was bedeutet denn „zu viel“? So ist nun mal die Bezeichnung in der Industrie…ok. Trotzdem finde ich den Begriff „Curvy“ Model also kurviges Model viel gelungener, denn Kurven gehören nun mal zu einer Frau dazu, egal wie groß oder klein sie ausfallen!

Hast du manchmal Probleme mit deiner Konfektionsgröße oder kennst du diese Gedanken nicht? Bist zufrieden mit dir?

Angelina Kirsch: Ich habe keine Probleme mit meiner Größe! Wieso auch?! Ich kann ganz normal Mode einkaufen, bin gesund und der Erfolg gibt mir Recht! 😉

Wie ist das, wenn du mit superschlanken Models auf dem Catwalk bist? Ist es ok oder kommst du dir – von deiner persönlichen Wahrnehmung her – manchmal „komisch“ vor.

Angelina Kirsch: Für mich ist ein Job mit dünnen Kolleginnen völlig normal. Wir machen schließlich alle das Gleiche vor der Kamera oder auf dem Laufsteg.

Als Model musst du auf deine Figur achten und fit sein. Kannst du nachvollziehen, mit welchen Problemen Plus Size Frauen im Alltag und die Kandidatinnen beim Contest zu kämpfen haben?

Angelina Kirsch: Natürlich gehört es zu meinem Job fit und gesund zu sein. Aber diesen Anspruch haben ja eigentlich viele Menschen heute. Körperliche Fitness hat dabei aber nichts mit einer bestimmten Konfektionsgröße zu tun! Man kann mit einer Größe 44 genauso fit sein, wie mit einer Größe 38. Ich kann kurvigere Frauen verstehen, wenn sie sich im Alltag verunsichert fühlen, da unsere Gesellschaft körperliche Fitness nur bis zu einer gewissen Kleidergröße anerkennt. Auch bei unseren Kandidatinnen werden sich solche Gedanken im direkten Vergleich untereinander sicher breit machen. Umso wichtiger ist es mir neben der Aufgabe ein neues Curvy Supermodel zu finden, diesen Frauen mehr Selbstvertrauen zu geben und ihnen und auch allen anderen zu zeigen, dass Schönheit keine Frage der Kleidergröße ist! So lange sich ein Mensch gesund ernährt und gut zu seinem Körper ist, ist jeder Zweifel unbegründet!

Wie findest du das TV-Format Curvy Supermodel? War das längst fällig? Oder sollte man keine Grenze zwischen Normal Size und Plus Size ziehen?

Angelina Kirsch: Ich freue mich natürlich sehr, dass es dieses Format endlich gibt! Seit über 10 Jahren werden bei GNTM die dünnen Mädels gefeiert und jetzt sind wir Kurvenwunder dran! Ich wünsche mir, dass wir mit der Show einen Ruck in der Gesellschaft und der Industrie bewirken und viele Augen für die Schönheit der Individualität öffnen können. Endlich bekommen Kurven die richtige Aufmerksamkeit, so dass wir mit dieser Körperrevolution die „normale“ kurvige Figur genauso würdigen, wie früher nur die dünne Figur gewürdigt wurde. Natürlich fände ich es auf lange Sicht besser, wenn alle zusammen in einer Sendung antreten können. Wobei auch in so einem gemischten Format zwei Siegerinnen gekürt werden müssten, da es ja auch zwei unterschiedliche Märkte gibt.

Warum machst du bei „Curvy Supermodel – Echt. Schön. Kurvig.“ mit?

Angelina Kirsch: Ich mache bei „Curvy Supermodel“ mit, weil ich es schon lange an der Zeit finde, allen zu zeigen, wie schön kurvige Frauen sind! Es ist so wichtig den jungen Mädchen ein gutes Vorbild zu geben und ihnen zu vermitteln, dass nicht nur ein Körpertyp schön und erstrebenswert ist, sondern dass man mit viel Disziplin und Willensstärke seinen Traum, ein Model zu sein, verwirklichen kann, egal ob dünn oder kurvig. Ich freue mich außerdem allen Frauen zu zeigen, wie schön sie sind, auch oder gerade weil sie eine Konfektionsgröße jenseits der 34/36 tragen.

Unseren Kandidatinnen möchte ich ein neues und stärkeres Selbstvertrauen geben und ihnen zeigen, was sie neben den tollen Kurven noch alles mitbringen müssen, um als Model erfolgreich zu sein.

Ich hoffe, dass ich die Menschen erreichen kann und gemeinsam mit den tollen Kandidatinnen ein neues, gesünderes Schönheitsideal etablieren kann, bei dem es nicht darauf ankommt, besonders dünn zu sein, sondern einfach gesund! Ein Schönheitsideal, das (auch) kurvigen Frauen erlaubt sich schön zu fühlen!

Gibt es einen speziellen Frauentyp, den du bei diesem Contest suchst?

Angelina Kirsch: Natürlich! Ich suche nach einer Frau mit tollen Kurven an den richtigen Stellen (Sanduhrfigur), mit einem bildschönen Gesicht und dem besonderen „Wow-Faktor“. Das bedeutet, dass sie neben der äußeren Erscheinung auch die richtigen innerlichen Werte mitbringen sollte. Dazu gehört viel Disziplin, ein starker Wille, Respekt vor anderen Menschen, Professionalität, ein gutes Benehmen und ein gewisses Niveau. Denn ein Supermodel ist nicht nur ein schönes Gesicht und eine tolle Figur, da muss das Gesamtpaket stimmen!

Welche Attribute zeichnen die Gewinnerin aus?

Angelina Kirsch: Schaut Euch die Sendung an und lasst euch überraschen 😉

Es wird betont, dass Mädels mit gesunden Kurven teilnehmen. Wie stehst du zu der Debatte „Gesunde / Ungesunde“ Kurven?

Angelina Kirsch: Ich weiß natürlich, dass viele vor dem Fernseher sitzen werden und genau beurteilen, welche Figurtypen im Contest weiter kommen und welche ausscheiden. Wichtig ist dabei, dass wir ein Model suchen, dass einfach eine gewisse Größe und Maße mitbringen muss. Trotzdem wollen wir zeigen, dass verschieden große Kurven gesund und schön sein können.
Ich habe da einen ganz eigenen Maßstab: Wenn Frau sich gesund ernährt und ihren Körper in Bewegung hält, so dass sie ohne Probleme auch mal in den 3. Stock die Treppe nehmen kann, dann ist alles im Lot. Ich denke es ist falsch einen bestimmten Prototyp der weiblichen Figur vorzugeben, aber es muss alles im Rahmen bleiben.

Hast du einen Tipp für Plus Size Mädels, wie sie leichter mit Kritik zu ihrem Körper umgehen können?

Angelina Kirsch: Mädels, wichtig ist, dass ihr euch gut fühlt! Einen kleinen Durchhänger hat jede mal von uns, aber seid nicht zu selbstkritisch! Bei Kritik ist es wichtig zwischen gut gemeinter Kritik und reiner Bosheit unterscheiden zu können. Hier ein Beispiel aus meinem Leben:

Ich gehe mit meiner Freundin shoppen. In der Umkleide zeige ich ihr ein tolles Kleid und frage sie, was sie darüber denkt. Sie rät mir, es nochmal eine Nummer größer anzuprobieren. Das ist gut gemeinte Kritik, und nichts, weshalb ihr euch Gedanken machen solltet!

Eine andere Freundin, bei der ich mich über meinen Erfolg als Curvy Model gefreut habe, schmeißt mir an den Kopf, ich solle mich nicht zu sehr freuen, denn sie hätte schließlich noch kein fettes Supermodel gesehen. Achtung!! Hier wartet Bosheit!! Solange ihr unterscheiden könnt, welchem von beiden ihr begegnet, könnt ihr euch auch mit den richtigen Leuten umgeben. Wer braucht schon falsche Freunde?! Gebt nichts auf das Reden von missgünstigen Menschen! Dieser Rat gilt übrigens für jeden Menschen und nicht nur für Plus Size / Curvy Frauen.

Stehst du manchmal vor deinem Kleiderschrank und denkst du hast nichts anzuziehen?

Angelina Kirsch: Natürlich leide auch ich hin und wieder unter dem Syndrom des leeren Kleiderschrankes… einfach nichts für mich dabei! Da hilft nur mal eine neue Kombination ausprobieren… oder im Notfall gaaaanz schnell shoppen gehen 🙂

Angelina Kirsch

ist 28 Jahre alt und liebt es Musik zu machen. Sie spielt Klavier, Tuba und Posaune in zwei Orchestern. Entdeckt wurde sie im Urlaub in Rom von ihrem Modelagenten Jan-Eric Lütjen (PLACE Models). Für Angelina begann es wie im Märchen und läuft, so hat sie das Gefühl, bis heute weiter so.

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