Gut zu wissen

Eine Brille, die Kalorien zählen kann? High-Tech aus Bayern

Bild: PlusPerfekt

Ein Ernährungsberater auf der Nasenspitze? Eigentlich klingt es wie eine Story aus einem Science-Fiction-Film. Doch Passauer Wissenschaftler haben tatsächlich eine Hightech-Brille entwickelt, die zum „virtuellen Ernährungsberater“ werden könnte.

Wer etwas isst, der muss meist auch kauen: Diesen Zusammenhang machen sich Wissenschaftler der Uni Passau bei einem Forschungsprojekt zunutze. Die Sensorik-Spezialisten haben eine spezielle Hightech-Brille entwickelt, die die Aktivität des Temporalis-Kaumuskels analysiert. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, das Ernährungsverhalten zuverlässig zu erkennen und zu verbessern.

Und so funktioniert die Brille …

„Die Brille misst die Muskelaktivität über Elektromyographie. Die Elektroden sind in den Rahmen der Brille integriert“, sagt der Projektleiter, Professor Dr. Oliver Amft vom Lehrstuhl für Sensorik. „Die Elektroden sind speziell auf die Temporalismuskeln ausgerichtet, die dafür sorgen, dass unser Kiefer Kaubewegungen macht und Kraft zur Zerkleinerung von Nahrung aufbringen kann.“ Das Innenleben der Brille erfasst nicht nur die Kaubewegung, sondern auch ihre Ausprägung, Dauer und Häufigkeit. Und das so genau, dass aus jedem Bissen Rückschlüsse auf die Nahrung gezogen werden können.

„Kekse sind knusprig, Gummibärchen hingegen weich und elastisch: Jede Speise stellt aufgrund ihrer Beschaffenheit spezielle Anforderungen an Muskelkraft und Kaubewegung. Genau hier setzen wir an“, so Oliver Amft. „Wir arbeiten an Algorithmen, die die empfangenen Sensordaten der Kaubewegung und die Kaubewegung bestimmten Speisetypen zuordnen“, sagt Rui Zhang, Doktorand am Lehrstuhl und Mitentwickler der Brille.

Foto: ACTLab/Universität Passau
Sie könnte künftig zum „Ernährungsberater“ auf der Nasenspitze werden: eine mit speziellen Sensoren ausgestattete High-Tech-Brille“ I Made in Passau“. Das Foto zeigt den Mitentwickler Rui Zhang mit dem Prototypen.

Die Brille ist noch ein Prototyp, der weiterentwickelt werden muss: „Insbesondere integrieren wir weitere Sensoren, um die Erkennung der Nahrungsaufnahme zu verbessern und weitere Informationen über Speisentypen und Menge zu erfassen“, sagt Zhang.  Doch künftig soll die Brille in allen Situationen zum Einsatz kommen, in denen die Analyse des Ernährungsverhaltens von Bedeutung ist: in der Medizin, im Sport und auch im Alltag.

Laut der Passauer Forscher ist die Voraussetzung für eine einwandfreie Orientierungshilfe in puncto Ernährung die lückenlose und fortlaufende Erfassung von allem, was gegessen wird. Viele Nutzer tun das bereits, beispielsweise mit Smartphone-Apps. „Allerdings ist auch bekannt, dass diese manuellen Eingaben nicht zuverlässig dazu führen, dass wirklich alles aufgezeichnet wird – man vergisst etwas, man verschätzt sich oder lässt absichtlich etwas aus“, so der Doktorand.

Intelligent & Stylisch

Die Brille soll einmal so intelligent sein, dass sie die manuellen Methoden zur Erfassung des Ernährungsverhaltens, wie Fragebögen oder Smartphone-Apps ersetzt. Auch unter optischen Gesichtspunkten kann das High-Tech-Accessoire mithalten. Die Brillen mit eher schlichten Rahmen sehen normalen Brillen äußerst ähnlich, so dass sie nicht als ungewöhnlich oder stigmatisierend wahrgenommen werden.

Die Fachwelt ist bereits begeistert

Auf einer der wichtigsten Expertenkonferenzen, der International Conference on Wearable and Implantable Body Sensor Networks, gewann der Prototyp „Ernährungsbrille“ den Preis als beste wissenschaftliche Arbeit.

Quelle: obx-news

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