Um den Frieden in ihrer Beziehung zu bewahren, scheuen sich viele, Nein zu sagen. Sie ignorieren stattdessen immer wieder ihre eigenen Bedürfnisse. Doch das Aufzeigen von Grenzen ist kein „Nein“ an andere, sondern ein „Ja“ zu sich selbst. Wer sich selbst immer wieder zurückstellt, riskiert, auf Dauer unzufrieden oder sogar unglücklich zu werden und kann sich in einer Beziehung völlig aus den Augen verlieren.
– Headerfoto: Freepik –
Klare Grenzen & das Erfüllen eigener Bedürfnisse stärken die Partnerschaft
PlusPerfekt sprach dazu mit Katja Hinterleitner. Die Bestseller-Autorin unterstützt Unternehmerinnen dabei ihre Gesundheit und ihre Beziehungen auf das nächste Level zu bringen. Sie weiß: „Wenn du es schaffst, auch einmal Nein zu sagen, bist du ehrlich zu deinem Partner und zu dir selbst. Es zeigt, dass deine eigenen Bedürfnisse ernst genommen werden.“ Das würde auf lange Sicht die Partnerschaft stärken, denn es zeugt von Offenheit und Vertrauen und sorgt für mehr Verständnis in deiner Beziehung.
Laut Katja liegen die Ursachen häufig in erlernten, ungünstigen Verhaltensmustern. Doch es ist möglich, diese zu durchbrechen, wieder zu sich selbst zu finden und damit auf Dauer nicht nur das Verhältnis zu sich, sondern auch zum Partner / der Partnerin zu verbessern.

Wovor sich Frauen und Männer in einer Beziehung fürchten | Foto: Neonbrand | Unsplash
Erfahrungen aus der Kindheit prägen unsere Beziehungen im Erwachsenenalter
Manchen fällt es schwerer als anderen, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen. Sie wurden meist bereits in der Kindheit entsprechend geprägt, da sie von Haus aus wenig Ressourcen erhalten haben, die ihr Selbstwertgefühl stärken. Stattdessen haben sie die Erfahrung gemacht, dass etwa die Eltern ihre Bedürfnisse als weniger wichtig erachten und ignorieren. Dies führt nicht selten zu festen Denkmustern, die sie auch als Erwachsene in sich tragen und die sich auf Beziehungen auswirken.
Katja nennt verschiedene Faktoren, die darauf hindeuten, dass man seine eigenen Bedürfnisse ignoriert und nicht gelernt hat, Grenzen zu setzen.
1. Menschen geben mehr, als sie erhalten.
2. Man hat das Gefühl, vom Partner / der Partnerin nicht wahrgenommen und respektiert zu werden.
3. Man passt sich an, um den Frieden in der Partnerschaft zu wahren.
4. Es herrscht in der Beziehung ein Ungleichgewicht statt einer Kommunikation auf Augenhöhe.
„Wird das auf Dauer gepflegt, sorgt es für Unzufriedenheit. Im schlimmsten Fall sind Frustration, Ängste und Depressionen die Folge“, warnt die Expertin.
Grenzen setzen kann erlernt werden
Menschen, die früh gelernt haben, ihre Bedürfnisse hinten anzustellen, haben später meist Schwierigkeiten, Beziehungen auf Augenhöhe zu führen. Es erfordert Mut, Selbstbewusstsein und ein gesundes Maß an Egoismus, um für sich zu sorgen. Dies geschieht nicht von heute auf morgen, denn es erfordert Zeit, solche Muster zu durchbrechen und neue Wege zu gehen.
Doch jeder kann lernen, Grenzen zu setzen, ohne Schuldgefühle zu empfinden. Davon profitieren langfristig beide Beziehungspartner, denn nur ein Miteinander auf Augenhöhe schafft die Voraussetzungen für echtes Glück in einer Partnerschaft.

Ursachen erkennen & Mut für Veränderung haben
„Um eine gesunde, ausgewogene Beziehung auf Augenhöhe zu führen, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu respektieren“, rät Katja Hinterleitner. Auch wenn es anfangs vielleicht Überwindung kostet, sich selbst zu priorisieren, wirst du langfristig feststellen, dass es zu mehr Glück führt. Selbstfürsorge trägt dazu bei, eine gleichberechtigte Partnerschaft zu schaffen.
Vier wichtig Tipps der Expertin, die dabei helfen können
1. Die eigenen Prägungen erkennen
Jeder Mensch sollte sich ehrlich fragen: Wo gebe ich in meiner Beziehung mehr, als ich zurückbekomme? Wo stelle ich meine eigenen Bedürfnisse hinten an? Ist mein „Ja“ eher ein Automatismus, um Konflikte zu vermeiden?
2. Die eigenen Bedürfnisse sind genauso wichtig
Es ist kein Zeichen von mangelnder Liebe, sich selbst zu respektieren. Liebe bedeutet nicht, sich aufzugeben, sondern authentisch zu sein und sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.
3. Klare Kommunikation üben
Ein „Nein“ ist keine Ablehnung, sondern eine klare Aussage über die eigenen Grenzen. Anstatt zu sagen: „Nein, ich will das nicht“, kann man es so formulieren: „Es ist mir wichtig, dass auch meine Bedürfnisse gehört werden.“
4. Lass die Schuldgefühle los
Wer immer wieder gelernt hat, für andere da zu sein, für den ist es zunächst seltsam, „Nein“ zu sagen. Aber diese Veränderung stärkt jeden Menschen langfristig gibt der Beziehung die Chance, auf einer tieferen und erfüllenderen Ebene zu wachsen.

Katja Hinterleitner
ist Autorin des Spiegel Bestsellers „Du bist nicht deine Wunde“. Die Expertin für Wachstum und Transformation unterstützt Menschen und speziell Unternehmerinnen, die offen sind für eine grundlegende Änderung. Ihr Ziel: Das Unternehmen, die Gesundheit und die Beziehungen auf das nächste Level zu bringen – mit systemischen Lösungen, die jede ihrer Kundinnen und jeder Kunde präzise und einfach umsetzen kann. Katja bildet Coaches und systemische Master aus und begleitet sie auf dem Weg in die Selbständigkeit.
