Interviews

Sängerin Alina über ihre Bauch-Kopf-Konflikte, Selbstwert und erlebte Musik

Credits: PlusPerfekt

Ihre Songs gehen unter die Haut, treffen mitten ins Herz. Sie selbst beschreibt sich als Energiebündel, voller Emotionen und trotzdem ein krasser Kopfmensch. Aus all dem schöpft sie Kraft und Mut für ihre Texte, in denen sie schonungslos offen Einblick in ihre Gefühlswelt gibt.

Die Newcomerin Alina macht Pop vom Feinsten. Von der hauchzarten, gefühlvollen Ballade bis hin zum stimmgewaltigen motivierenden Powersong. Ihre erste Single „Nie vergessen“ erschien im September 2017. Nur einen Monat später ihr Album „Die Einzige“.

PlusPerfekt traf Alina bei der Sheego Fashion & Style Tour in Hamburg. Als Stargast sorgte sie dort für einen mitreißenden Mix aus Gänsehaut-Feeling und großen Emotionen.

Alina, Du bist ein Fan von Hildegard Knef. Soll es für Dich rote Rosen regnen?

Alina: Ja, unbedingt. Hoffentlich. Ich wäre dem Leben sehr dankbar, wenn es für mich rote Rosen regnen würde.

Ist Kleidung für Dich wichtig?

Alina: Ich bin ein richtiges Modeopfer. Ich liebe Kleidung, es ist neben der Musik eine weitere Form, mich auszudrücken.

Suchst Du Deine Bühnen-Outfits selbst aus?

Alina: Ja, ich mache das alles selbst. Ich habe keinen permanenten Stylisten oder so etwas. Bis jetzt habe alles selbst gestylt.

Hildegard Knef, Zarah Leander … Du hast tolle Vorbilder. Inwieweit fließt das in Deine Musik ein?

Alina: Die Beiden haben mich auf jeden Fall geprägt, was das Deutschsprachige angeht. Besonders Hildegard Knef, weil sie einfach eine wahnsinnig moderne, ihrer Zeit voraus lebende Frau war, die ihr eigenes Ding gemacht hat. Sie hat nicht nur Musik gemacht, sie hat auch geschauspielert. Sie hat Bücher geschrieben, hat aus ihrem Leben authentisch erzählt und wundervolle Texte geschrieben, die bis heute relevant sind und auch noch relevant bleiben. Ein Mega-Vorbild, ein zeitloses Vorbild.

Deine Liedern sind sehr emotional. Kannst Du eine Grenze ziehen, damit es nicht zu persönlich wird, oder ist es diese Offenheit, die den Reiz eines Songs für Dich ausmacht?

Alina: Das Zweite. Das Preisgeben des Inneren macht für mich absolut den Reiz des Songs aus. Das ist mein Antrieb, das ist mein Motor. Echte Geschichten zu erzählen aus meinem Leben. Echte Emotionen zu zeigen und mich auch ein bisschen davon zu befreien. Was gibt es Schöneres, als aus Erlebtem Musik machen zu können? Auch aus den schlechten Erfahrungen.

Du machst Dich dadurch angreifbar. Passiert es manchmal, dass Dich jemand auf dieser emotionalen Ebene erwischt? Gibt es eine Abgrenzung zwischen Alina auf der Bühne und der Privatperson?

Alina: Da gibt es auf jeden Fall noch eine Abgrenzung und ich muss sagen, seit ich diese Offenheit an den Tag lege, hat sich mein Leben eigentlich nur verbessert. Angegriffen wurde ich mein Leben lang, das ist nicht das Problem.

Dein Song „Die Einzige“ berührt einen tief. Hat sich da für Dich in der Zwischenzeit etwas geändert?

Alina: (lacht) Bin ich die Einzige, die in ständig nur komplizierten Beziehungskonstellationen feststeckt? Also es ist schon es bisschen was passiert, aber ich bin noch nicht kurz vor dem Schritt zum Traualtar.

Diversity ist ein großes Thema. Wie ist das für Dich auf der Bühne? Spielen kurvige Formen da eine Rolle?

Alina: Ich finde es erstaunlich, dass mir das eher zum Vorteil wurde. Ich muss sagen, ich wurde viel ernster genommen als Künstlerin, auch mit meinen Themen, als wenn ich diese Figur nicht gehabt hätte. Und ich erlebe einfach so viel Zuspruch und so viel Liebe vom Publikum, dass ich mal behaupten möchte, da gibt es eigentlich keinen großen Unterschied.

Man nennt Dich die deutsche Adele. Ein großes Kompliment oder eine Bürde?

Alina: Also ich denke, es ist wirklich ein riesen Kompliment, aber spätestens mit Album Nummer zwei wird den Leuten klar werden, dass Alina eine eigenständige Künstlerin ist. Dass ich meine eigenen Themen habe, dass ich mein eigenes Leben habe. Ähnlichkeiten gibt es ja immer zwischen Künstlern. Und das ist in Ordnung.

– Anzeige –

Hast Du sie schon kennengelernt?

Alina: Nein, leider. Ich bin auch Fan und würde sie super gerne kennenlernen. Aber ich glaube sie ist einer der Stars, die sich sehr rar machen.

In „Schönheitskönigin“ möchtest Du für deinen Partner DIE eine schöne Frau sein. So wie wir Dich kennenlernen, bist Du eine sehr selbstbewusste Frau. Steht der Song noch für Dein Innerstes oder gehört das zur Vergangenheit?

Alina: Nein, das ist immer noch aktuell. Und ich finde es gerade wichtig, weil ich weiß, dass ich sehr selbstbewusst und stark wirke. Einfach so, per sé, egal wie es mir innen drin geht. Es war mir ganz wichtig, diesen inneren Zweifel, diese innere Zerrissenheit, diesen Schmerz in einem Song zum Ausdruck zu bringen. Leider ist Selbstakzeptanz kein Zustand, sondern ein Prozess und da muss man immer wieder durch. Man fängt manchmal gefühlt fast wieder von vorne an, aber man muss einfach Schritt für Schritt gehen. Es wird irgendwie besser, aber es ist trotzdem kein „Ist-Zustand“.

Du hattest als Siebenjährige einen beeindruckenden Auftritt. Was hast Du gesungen?

Alina: Damals habe ich mit meiner Familien-Band „Let‘s twist again“ gesungen, und das hat die Leute echt zum Ausrasten gebracht. Ein bisschen so wie heute.

Wenn Du Dich in drei Worten beschreiben solltest …

Alina: Ich glaube, ich bin ein Energiebündel, voller Emotionen und trotzdem ein krasser Kopfmensch.

Krasser Kopfmensch … Da muss ich natürlich nachhaken.

Alina:  Ja, ich habe leider ein sehr aktives Gehirn. Ich denke sehr viel nach. Ich mache mir sehr viele Gedanken über das Leben, über mich selbst, über meine Mitmenschen und ich würde gerne noch mehr nur mit dem Bauch entscheiden. Das fällt mir aber schwer. Ich habe immer wieder diesen Bauch-Kopf-Konflikt.

Wann erscheint Dein nächstes Album?

Alina: Das wird auf jeden Fall 2019 kommen. Wann genau, da kann ich mich leider noch nicht festlegen. Ich würde es am liebsten übermorgen auf den Markt schmeißen, aber so weit sind wir noch nicht.

Hast Du eine Message für unsere Leserinnen?

Alina: Da muss ich kurz nachdenken, das ist mir schon ein großes Anliegen, was ich den Ladies oder Mädels da draußen sage.

Es lohnt sich auf jeden Fall, an sich selbst zu glauben. Und es lohnt sich dran zu bleiben. Träume und Visionen, die man hat, wirklich zu verfolgen, weil es wirklich anders kommt, als man denkt. Diese Erfahrung durfte ich machen. Trotzdem ist es knallhart da draußen. Und was mir ganz wichtig ist, dass man sich gerade als Frau mit anderen Frauen zusammentut. Wir haben uns so viel zu geben und wir können uns so toll unterstützen. Wenn wir mal ein bisschen mehr gemeinsam machen würden, dann könnten die Männer gleich einpacken. Und der Rest der Welt auch. Ich glaube, wir müssen noch viel mehr für unsere Interessen einstehen und uns Freiräume und Möglichkeiten erkämpfen, weil es immer noch nicht so ist, dass wir wirklich alle Möglichkeiten hätten. Nicht einmal in einem Land wie Deutschland. Ich glaube, wir müssen nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen Frauen und Männer so akzeptieren, wie sie sind.

Ein toller Abschlusssatz, dem ist nichts hinzuzufügen. Vielen Dank, Alina.

Alina: Vielen lieben Dank.

%d Bloggern gefällt das: