Makellose Haut, ein markanter Kiefer, ein symmetrisches Gesicht und natürlich ein durchtrainierter Body: Auf TikTok, Instagram und Reddit kursieren seit einigen Jahren immer mehr Inhalte rund um Looksmaxing. Vor allem junge Männer beschäftigen sich dort mit der Frage, wie sie ihr Aussehen maximieren können, um möglichst attraktiv zu wirken. Doch hinter diesem Trend verbirgt sich weit mehr als nur Hautpflege und Fitness. Der Begriff hat seinen Ursprung in Online-Subkulturen, die man mittlerweile durchaus als problematisch bezeichnen kann und die inzwischen weit über kleine Internetforen hinausgewachsen sind.
Was bedeutet Looksmaxing überhaupt?
Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „looks“ (Aussehen) und „maxxing“ beziehungsweise „maximizing“ (maximieren) zusammen. Gemeint ist damit die gezielte Optimierung des eigenen Äußeren, um attraktiver, begehrenswerter und/oder sozial erfolgreicher zu wirken.
Softmaxing & Hardmaxing
Unterschieden wird zwischen Softmaxxing und Hardmaxxing. Beim Softmaxxing geht es um vergleichsweise klassische Formen der Selbstoptimierung, wie Fitness und Muskelaufbau, Ernährung, Hautpflege, Zahnkorrekturen, neue Frisuren oder Bart-Styles, Mode, Styling oder auch Schlafoptimierung.
Hardmaxxing beschreibt deutlich extremere Maßnahmen, wie Schönheits- und Kieferoperationen, Haartransplantationen, Steroide oder Wachstumshormone und radikale Diäten. Aber auch fragwürdige Trends wie „Bone Smashing“, bei dem Menschen tatsächlich davon ausgehen, dass absichtliche Schläge auf den Kiefer die Gesichtsstruktur attraktiver machen können.
Attraktivität ist alles
Gerade in Social Media wird oft suggeriert, dass Erfolg, Liebe und Anerkennung fast ausschließlich vom Aussehen abhängen. Entsprechend stark konzentriert sich die Szene auf bestimmte Schönheitsideale. Dazu gehören eine markante Kieferlinie (Jawline), tief liegende, schmale Augen, die sogenannten Hunter Eyes, ein symmetrisches Gesicht ebenso wie ein geringer Körperfettanteil, breite Schultern und ein durch Muskeln gut definierter Körper.
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Woher kommt der Begriff Looksmaxing?
Tatsächlich entstand die Bezeichnung Looksmaxing bereits in den frühen 2010er Jahren in Incel-Foren und Teilen der Manosphere. Hierbei handelt es sich um männlich dominierte Online-Subkulturen*, die sich zunächst vor allem in Internetforen und auf Websites entwickelten. Später verbreiteten sich die Inhalte über Plattformen wie Reddit, YouTube, TikTok, Discord oder Twitter, jetzt X.
Was sind Incel-Foren?
Incel steht für „involuntary celibate“ (unfreiwillig enthaltsam, Anm. d. Red.). Gemeint sind Männer, die davon überzeugt sind, aufgrund ihres Aussehens oder ihres sozialen Status keine romantischen oder sexuellen Beziehungen führen zu können. In vielen Incel-Communities entwickelte sich daraus eine eher negative Weltsicht. Häufig wird behauptet, dass nur besonders attraktive Männer Erfolg bei Frauen hätten. Andere hingegen praktisch chancenlos sind. In den Foren entstanden einige Begriffe und Denkweisen, die später auch ins Looksmaxing übernommen wurden.
Chad, SMV & Blackpill
Dazu gehört der Begriff „Chad“, der einen extrem attraktiven, selbstbewussten und erfolgreichen Mann beschreibt, der angeblich bei Frauen besonders beliebt ist. Beim „Sexual Market Value“ (SMV) geht es um die Vorstellung, Menschen hätten beim Dating einen bestimmten Marktwert. Die „Blackpill“ beschreibt eine Sichtweise, bei der das Aussehen nahezu alles bestimmt und manche Männer deshalb grundsätzlich keine Chancen bei Frauen hätten.
Manosphere wiederum ist ein Sammelbegriff für verschiedene männerdominierte Online-Communities. Dazu zählen auch Dating-Coaches, Männerrechtsgruppen oder eben auch Incel-Communities. Teile dieser Szene geraten immer wieder wegen Frauenfeindlichkeit, toxischer Männlichkeitsbilder oder radikaler Ideologien in die Kritik.
Im Mainstream angekommen
Heutzutage hat sich der Begriff Looksmaxing von seinen Ursprüngen gelöst. Er ist im Mainstream angekommen. Jugendliche teilen auf TikTok ihre Glow-up-Transformationen, Fitness-Routinen oder Hautpflege-Tipps unter dem Hashtag #looksmaxxing. Viele nutzen den Begriff als Synonym für Selbstoptimierung oder ihr Styling-Update.
Dennoch bleibt die Herkunft des Trends relevant. Gerade in Social Media verschwimmen enorm schnell die Grenzen zwischen Selbstpflege und Schönheitsdruck. Und wenn der Selbstwert fast ausschließlich an Äußerlichkeiten gemessen wird, so die Psychologin und Besteller-Autorin Dr. Eva Wlodarek, ist der Weg von der Motivation zur Selbstverbesserung hin zu chronischen Selbstzweifeln oftmals kurz.
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*) Online-Subkultur
ist die Bezeichnung für eine Gemeinschaft im Internet, die Interessen, Werte, Sprache, Symbole und/oder Verhaltensweisen teilt und sich so vom Mainstream abgrenzt.
Subkultur ist an sich ein neutraler Begriff und steht für eine kulturelle Strömung innerhalb einer größeren Gesellschaft. Online-Subkulturen entstehen im Internet häufig in Foren, Discord-Servern, TikTok, Telegram, X/Twitter, YouTube-Communities, Gaming-Plattformen etc. Beispiele sind Gaming-Communities, Anime- und Cosplay-Szenen, die Tradwife-Bewegung, Incel- oder Manosphere-Communities.
Online-Subkulturen können kreativ und unterstützend sein. Allerdings können sich auch bedenkliche Dynamiken entwickeln, die frauenfeindliche Rollenbilder unterstützen, Gruppendruck erzeugen, die Ausgrenzung Andersdenkender forcieren etc. Algorithmische Plattformen wie TikTok oder YouTube können Subkulturen verstärken, weil sie – bedingt durch den Algorithmus – Nutzern immer wieder ähnliche Inhalte im Feed ausspielen.
