Welche Unterwäsche während der Periode | Credit: Polina Zimmerman /Pexels.com

Wäsche für die Periode: Ein Trend mit Potenzial?

Zahlen lügen nicht. Bis zu 17.000 Binden oder Tampons benutzt allein eine Frau in ihrem Leben. Der daraus resultierende Müllberg ist schwindelerregend hoch. Hinzu kommt, dass viele klassische Produkte zur Menstruationshygiene durch enthaltene Schadstoffe in Verruf geraten sind. Neben Menstruationstassen befinden sich nun Periodenslips auf dem Vormarsch. Doch, was kann die Wäsche und ist sie wirklich besser? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Der Test der Menstruationstassen des Verbrauchermagazins Öko-Test brachte erfreuliche Ergebnisse hervor (wir berichteten). Bis auf ein Produkt konnten alle Testobjekte mit „sehr gut“ überzeugen. Inzwischen wurden Menstruationstassen von einigen Frauen ausprobiert. Viele sind begeistert. Doch nicht jede kann sich mit dem Gedanken anfreunden, ein kelchähnliches Etwas in die Scheide einzuführen und nach Verwendung im Waschbecken auszuspülen.

Periodenunterwäsche scheint die perfekte Lösung für alle, die eine nachhaltige, aber komfortable Alternative suchen. Einfach anziehen, waschen und wiederverwenden. Doch es bleiben Zweifel: Kann ein Slip wirklich Sicherheit bieten, ohne ein pampersartiges Gefühl zu hinterlassen? Einigen Tests zufolge lautet die Antwort Ja. Doch zunächst Informatives zu den Slips.

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Die Schichten der Saugeinlage

Bei Periodenunterwäsche handelt es sich um Slips mit Saugeinlage. Letztere dient der Aufnahme der Monatsblutung und wird aus mehreren Schichten gefertigt:

Membran: Die äußere Schicht dient als Barriere, ist flüssigkeitsundurchlässig und hält die Oberbekleidung sauber.

Saugkern: Die mittlere Schicht ist für das Aufsaugen der Monatsblutung zuständig und soll die Geruchsbildung verhindern.

Außenschicht: Der Teil, der direkten Hautkontakt hat, leitet das Menstruationsblut direkt zum Saugkern und gewährleistet ein trockenes Hautgefühl.

Hinsichtlich Farbe, Schnitt und Materialien unterscheiden sich Periodenslips teilweise deutlich. Auch die Periodenstärke lässt sich berücksichtigen. Vom Panty bis zum String ist alles vertreten. Zu den bekanntesten Herstellern zählen Femtis, Taynie, Kora Mikino, Mylily und Pinke Welle.

Anwendung und Materialien – Vorsicht bei Biozid und Silber!

Die Anwendung ist denkbar einfach: Statt herkömmlichen Slips, werden während der Menstruation einfach die Slips mit Saugeinlage getragen. Wann sie durch einen frischen ersetzt werden müssen, ist von der Stärke der Blutung abhängig. „Für die normalen Tage sollten es mindestens drei Menstruationsslips täglich sein“, empfiehlt das Nachhaltigkeitsmagazin Gorilla.Green, dessen Redaktion einen aufklärenden Artikel über Periodenunterwäsche veröffentlicht hat. „Aufgrund der Geruchsbildung bietet es sich an, alle zwei bis drei Tage eine Waschladung anzuwerfen.“ Demnach seien zehn Slips zu Beginn meist ausreichend.

Kritisch umschreibt das Magazin den Einsatz von Bioziden und Silberchlorid. Diese Substanzen sind in vielen Menstruationsslips enthalten, um die Bakterienvermehrung und Geruchsbildung zu verhindern. Beide Stoffe stehen unter Verdacht, Allergien auszulösen und die Fruchtbarkeit zu hemmen. Zu Bioziden erklärt beispielsweise das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hinsichtlich der Verwendung in körpernah getragenen Textilien, dass die Folgen von allergischen Reaktion über „die Beeinträchtigung der hauteigenen und für die Hautgesundheit wichtigen Bakterienflora“ bis hin zur „Resistenzentwicklung von Krankheitserregern“ reichen.

Inzwischen gibt es einige Marken, die auf Biozide und Silber verzichten. Darunter Taynie, ein Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen, das auch formschöne Plus Size Modelle verkauft. Ein sorgsamer Blick auf die Produktbeschreibung ist demnach ratsam, um Wäsche ohne bedenkliche Stoffe zu tragen.

Zum Preis: Mit rund 30 bis 45 Euro musst du pro Slip rechnen. Bei einer Erstausstattung von fünf bis zehn Modellen wird also eine stolze Investition nötig.

Komfort trotz Saugeinlage

Ein Blick in die Shops der Hersteller verdeutlicht: Periodenunterwäsche kann tatsächlich gut aussehen. Weil Funktion und Optik aber nicht alles sind, braucht es authentische und unabhängige Meinungen zum Komfort. Die Online-Redakteurin der Stuttgarter Zeitung Anna Röckinger hat den Versuch gewagt und in einem Kommentar über ihre Erfahrungen mit Slips von Taynie berichtet. Ihr erster Eindruck zum Tragefühl fiel positiv aus. Die Slips würden ein „sicheres Gefühl beim Warten auf die einsetzende Periode“ vermitteln. Gegenüber Binden seien Abdrücke auf der Kleidung, Klebereste an Haut und Wäsche sowie ein schwitziger Schritt kein Thema mehr. Auch hätte ihr Testobjekt gehalten was es verspricht und sei während der Verwendung trocken geblieben, Gerüche stellte sie nicht fest.

Positiv erwähnt sie, dass die Slips unterwegs einen entscheidenden Vorteil haben: Frauen sind nicht mehr auf Toiletten angewiesen. Doch die Redakteurin äußert auch Kritik. Aufgrund des gewöhnungsbedürftigen Auswaschens der Unterwäsche, das viele Hersteller vor dem Waschgang in der Waschmaschine empfehlen, und der allgemeinen „Wascherei“ bleibt es bei einem Test.

Letztlich muss jede Frau selbst entscheiden, welche Menstruationshygiene-Produkte am besten zu ihr passen. Jede Variante bringt Vor- und Nachteile mit sich. Fest steht: Ohne Ausprobieren, lässt sich die persönliche Vorliebe nur bedingt klären.

Foto: Polina Zimmerman /Pexels.com

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